Reformpläne in NRW Kirchen fürchten um Kita-Vielfalt

Düsseldorf · Kirchen, Wohlfahrtsverbände und andere freie Träger fürchten mehr städtische Kitas und fordern 570 Millionen Euro zusätzlich. Kommunale Spitzenverbände halten dagegen.

 Spielzeug in einer Kita in Düsseldorf (Archivbild).

Spielzeug in einer Kita in Düsseldorf (Archivbild).

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Das neue Kita-Gesetz der Landesregierung stößt bei Sachverständigen und Experten auf viel Kritik. Insbesondere die freien Kita-Träger und Wohlfahrtsverbände fordern mehr Geld und fürchten um die Vielfalt des Betreuungsangebots in Nordrhein-Westfalen. „Die freie Wohlfahrtspflege sieht eine Gefährdung der bisherigen Trägerstruktur“, sagte Caritas-Vizepräsident Heinz-Josef Kessmann am  Montag bei einer mehrstündigen Expertenanhörung zum neuen Kinderbildungsgesetz (Kibiz) im Landtag. Vertreter der kommunalen Spitzenverbände widersprachen und beteuerten, sie würden die Vielfalt erhalten.

Durch das neue Kibiz gleichen sich die Eigenanteile, die Städte für ihre aufbringen müssen, und jene der freien Träger wie Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Elterninitiativen an. Damit könnte der Anreiz für die Kommunen sinken, den freien Trägern die Führung von Kitas zu überlassen; es würde mehr städtische Kitas geben. Zurzeit sind etwa drei Viertel der Kitas in den Händen freier Träger.

Anders als die Kommunen fordern die freien Träger zusätzliches Geld, um die Qualität der Kitas zu erhöhen. Zwar gebe es hier deutliche Fortschritte wie die  Freistellung der Erzieher für Leitungsaufgaben, insgesamt mehr Mittel für Personal und eine Ausbildungspauschale, um den Beruf angesichts des Erziehermangels attraktiver zu machen.   Aus ihrer Sicht fehlen aber 570 Millionen Euro für Sachmittel.

Das neue Gesetz, das ab August 2020 gelten soll, sieht jährlich zusätzlich 1,3 Milliarden Euro für die frühkindliche Bildung in NRW vor. Damit sollen unter anderem die Betreuungszeiten ausgeweitet,  die Kindpauschalen dynamisiert und die Kindertagespflege gestärkt werden. Geplant ist auch ein zweites beitragsfreies Kita-Jahr. Die freie Wohlfahrtspflege lehnt auch dies angesichts der knappen Finanzen ab und spricht sich stattdessen für einen sozial gestaffelten, landesweit einheitlichen Elternbeitrag aus.

Viel Anklang fand bei den Experten die Forderung, einen festen Betreuer-Kind-Schlüssel festzulegen.

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