Nach Razzia bei Julius Bär: Steuer-CD-Lieferant wurde entlassen

Nach Razzia bei Julius Bär : Steuer-CD-Lieferant wurde entlassen

Die Schweizer Privatbank Julius Bär hat einen weiteren Fall von Datendiebstahl im Zusammenhang mit deutschen Steuerermittlungen bestätigt. Ein Verdächtiger wurde verhaftet und mittlerweile von der Bank entlassen.

"Leider trifft dies gemäß unseren Erkenntnissen zu", sagte Bär-Chef Boris Collardi der in Zürich erscheinenden "SonntagsZeitung". Der Verdächtige, ein Angestellter der Bank in Zürich, sei verhaftet worden. Er habe offenbar im Alleingang gehandelt.

Die Zeitung berichtete, die gestohlenen Daten seien in Form einer CD in die Hände nordrhein-westfälischer Steuerfahnder gelangt. Dafür habe der Verdächtige Geld bekommen.

Vor wenigen Tagen hatte allerdings die renommierte "Neue Züricher Zeitung" gemeldet, dass die Steuer-Daten zu Julius Bär wahrscheinlich auf einer kostenlosen CD bei der deutschen Steuerfahndung ankamen — der Bankmitarbeiter hätte dann die Kopien viellleicht aus ehrenwerten Motiven gezogen.

Julius Bär stehe mit möglicherweise betroffenen Kunden in Deutschland in Kontakt, sagt der Vorstandschef. Tatsächlich gab es bereits viele Hausdurchsuchungen.

Zu Art und Umfang der jetzt nach Deutschland verkauften Kundendaten äußerte sich das Geldinstitut nicht. Der Dieb sei "im Rahmen von verschärften Kontrollmechanismen und einer umfangreichen internen Untersuchung" entdeckt worden, sagte Julius-Bär-Chef Boris Collardi der Schweizer "Sonntags-Zeitung". Die Maßnahmen zielten darauf ab, Datendiebe zu enttarnen und die weitere Entwendung von Kundendaten so weit wie irgend möglich zu erschweren.

Der Verdächtigte sei an seinem Arbeitsort Zürich festgenommen und inzwischen von der Bank entlassen worden, bestätigte Banksprecher Jan Vonder Muehll. Hinweise auf Mittäter soll es bislang nicht geben.

Die Bank Julius Bär war damit bereits zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren Ziel eines Datendiebs. Zuletzt hatte Nordrhein-Westfalen im Oktober 2010 eine CD mit Daten von Julius Bär über Deutsche gekauft, die dort mutmaßlich unversteuerte Vermögen angelegt hatten. Dafür zahlte NRW 1,4 Millionen Euro. Die Daten führten zu zahlreiche Ermittlungen und Selbstanzeigen. Im April 2011 zahlte Julius Bär 50 Millionen Euro, damit die deutschen Behörden ihre Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter einstellen.

Für internationales Aufsehen hatte der Fall des ehemaligen Geschäftsleiters der Julius-Bär-Filiale auf den Cayman-Inseln, Rudolf Elmer, gesorgt. Er hatte bis zu seiner Entlassung 2002 interne Kundendaten gesammelt und später an Steuerbehörden sowie die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben. Elmer wurde festgenommen und wegen Verletzung des Bankgeheimnisses angeklagt. Verschiedene Gerichtsverfahren sind in diesem Zusammenhang noch anhängig; ein rechtskräftiges Urteil steht noch aus.

Hier geht es zur Infostrecke: Fragen und Antworten zu den Schweizer Steuer-CDs

(RP/dpa/jre)
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