Krankheitswelle in Schulen und Kitas SPD verlangt Masterplan für Kindergesundheit

Düsseldorf · Vor einem Jahr hat die SPD-Landtagsopposition bereits einen Masterplan gefordert. Nach eingehenden Beratungen mit Experten hat die SPD noch einmal deutlich nachgebessert und fordert nun Schwarz-Grün zur Zusammenarbeit „ohne die üblichen parlamentarischen Reflexe“ auf.

 Atemwegsinfekte sorgen gerade dafür, dass die Kinderärzte alle Hände voll zu tun haben.

Atemwegsinfekte sorgen gerade dafür, dass die Kinderärzte alle Hände voll zu tun haben.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Angesichts der Krankheitswelle, die derzeit Familien, Kitas und Schulen belastet, verlangt die SPD-Landtagsfraktion mehr Anstrengungen vom Land für die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen. Verschärfend zur aktuellen Lage komme hinzu, dass Kinderkliniken in ganz NRW überlastet seien und in vielen Kinderarztpraxen ein Aufnahmestopp herrsche, heißt es in dem Entschließungsantrag.

Die Oppositionspartei will einen umfassenden Masterplan, der alle Bereiche – von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Kinder- und Jugendalter - umfasst. So fordert die Fraktion beispielsweise, die Landesregierung müsse sicherstellen, dass Frühgeborene ab 2024 nur in Einrichtungen behandelt würden, die jährlich mindestens 25 Frühchen versorgten. Neben der Stärkung des Hebammenberufs und der besseren Beratung geflüchteter Frauen über Angebote der Geburtshilfe und -versorgung verlangen die Sozialdemokraten „eine Kraftanstrengung der Landesregierung, die die Zahl der Kinderärztinnen und Kinderärzte erhöht und eine flächendeckende Versorgung in allen Regionen von NRW sicherstellt“. Dafür seien bessere Arbeitsbedingungen für die Pädiater und ein Ausbau der Medizinstudienplätze nötig.

„Um die zeitweise besonders angespannte Versorgungslage in den Kinderkliniken in Phasen hoher Infektionswellen schnell und akut zu verbessern, muss eine Koordinierungsgruppe eingerichtet werden, die Patientenströme regional und gegebenenfalls überregional koordiniert.“ So könnten Wartezeiten reduziert und eine möglichst wohnortnahe Versorgung auch bei einer schwierigen Lage sichergestellt werden. Langfristig müsse die Versorgungslandschaft so aufgestellt sein, dass auch hohe Infektionswellen nicht zu einer Überforderung des Systems führten.

Das Land müsse mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Gespräche führen, um die Kinderärztlichen Notdienste deutlich auszuweiten. Mit Blick auf den vor allem im Zuge von Corona festgestellten Anstieg bei den psychologischen Erkrankungen verlangt die SPD eine Ausweitung des psychotherapeutischen Angebots für Kinder und Jugendliche in NRW. „Dabei muss die Unterversorgung in strukturschwachen und ländlichen Regionen gezielt berücksichtigt werden.“

Nach den Erfahrungen mit Medikamentenengpässen vor allem bei Fiebersäften und Antibiotika für Kinder verlangen die Sozialdemokraten, dass sich die Landesregierung mit dem Bund, den Ländern, den Apothekern und der Pharmaindustrie für einen Runden Tisch zur Produktion von Arzneimitteln und den damit verbundenen Lieferketten einsetzen soll.

SPD-Fraktionsvize Lisa-Kristin Kapteinat sagte unserer Redaktion: „CDU und Grüne sind jetzt gefordert, sich unserem umfassenden Antrag für einen Masterplan anzuschließen. Im Sinne unserer Kinder und Jugendlichen sollten sie nicht den üblichen parlamentarischen Reflexen erliegen und pauschal ablehnen, was von der Opposition kommt.“ Schließlich habe der Ministerpräsident erst kürzlich eine Studie zur Einsamkeit von Jugendlichen vorgestellt. „Dabei spielt auch die psychische Gesundheit von Heranwachsenden eine zentrale Rolle. Mit der Unterstützung unseres Antrags kann Schwarz-Grün jetzt zeigen, dass sie es wirklich ernst meinen."

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