Bildungsmisere in NRW SPD fordert aktuelle Daten zum Unterrichtsausfall in NRW

Düsseldorf · Die Opposition wirft der Landesregierung vor, keinen Überblick über das Ausmaß des Unterrichtsausfalls zu haben. Die Ministerin hatte die Erhebung mit Verweis auf die vielfältigen Herausforderungen für das gesamte Schuljahr ausgesetzt, will aber trotz der Corona-Entspannung erst im Sommer wieder mit der Datenerfassung beginnen.

Eine Grundschulklasse während des Unterrichts.

Eine Grundschulklasse während des Unterrichts.

Foto: dpa/Marijan Murat

Die Antwort der Landesregierung auf einen Berichtswunsch der SPD im Düsseldorfer Landtag fällt bemerkenswert kurz und einsilbig aus. Die SPD hatte von Schulministerin Dorothee Feller (CDU) Auskunft darüber verlangt, wie der Sachstand beim Unterrichtsausfall im ersten Halbjahr des Schuljahrs 2022/23 sei. In der Antwort, die unserer Redaktion vorliegt, schreibt Feller „Die erbetenen Daten liegen dem Ministerium für Schule und Bildung nicht vor.“ Sie verweist auf die im September bekannt gegebenen Entscheidung, die Unterrichtsstatistik für das gesamte Schuljahr auszusetzen und erst nach den Sommerferien wieder aufzunehmen. Im Herbst hatte Feller die Entscheidung damit begründet, die Aussetzung trage dazu bei, „die· Schulen vor dem Hintergrund der vielfältigen aktuellen Herausforderungen zu entlasten“.

Angesichts der sich entspannenden Corona-Lage zeigte sich die Opposition über das Vorgehen der Landesregierung verärgert. SPD-Fraktionsvize Jochen Ott sagte unserer Redaktion: „Tag für Tag heißt es an unseren Schulen ‚Erste Entfall’ – aber die schwarz-grüne Landesregierung hat keinerlei Überblick darüber, wie groß das Ausmaß des Unterrichtsausfalls im Land tatsächlich ist.“ Ott erklärte, eine Abfrage der Daten sei jederzeit möglich. „In den Schulen liegen sie schließlich vor. Da zieht auch das Argument nicht, das statistische Erhebungsverfahren wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt zu haben und offenbar auch noch weiter auszusetzen.“ Wer die Bildungskatastrophe stoppen wolle, brauche eine klare und unverstellte Sicht auf den Ernst der Lage. „Aber Schulministerin Feller befindet sich im Blindflug. Fakt ist: Die CDU-Landesregierung hat ihr Versprechen, Unterrichtsausfall per Knopfdruck zu erheben, nicht eingehalten. Und so lässt sich zur Schulpolitik von Schwarz-Grün nur feststellen: ,... denn sie wissen nicht, was sie tun.'"

Vor der Corona-Pandemie waren nach Angaben der damaligen schwarz-gelben Landesregierung im ersten Halbjahr des Jahres 2019/20 insgesamt 5,1 Prozent der Stunden ausgefallen, 3,6 Prozent erfielen ersatzlos. Seit Jahren bemängeln Eltern- und Schülervertreter den hohen Unterrichtsausfall im Land.