Elternbefragung in Düsseldorf Ignoriert Ministerin Feller den Wunsch nach Pflichtganztag?

Exklusiv | Düsseldorf · Eine Umfrage in Düsseldorf hat ein großes Interesse der Eltern nach dem sogenannten gebundenen Ganztag ergeben. Die Opposition wirft der Landesregierung vor, die Wünsche der Eltern auszublenden.

Grundschüler bei der Nachmittagsbetreuung.

Grundschüler bei der Nachmittagsbetreuung.

Foto: dpa/Uwe Anspach

Die SPD im Düsseldorfer Landtag nimmt eine aktuelle Umfrage in der Landeshauptstadt zum Anlass, um gegen Schwarz-Grün auszuteilen. Die Landeshauptstadt wollte wissen, wie groß der Wunsch bei den Familien nach einem sogenannten gebundenen Ganztag ist. Dabei sind die Kinder verpflichtet, an mindestens drei Tagen auch am Nachmittag das Betreuungsangebot wahrzunehmen. Täglich ist der Nachwuchs mindestens sieben Stunden in der Schule. Die Verpflichtung unterscheidet den gebundenen vom offenen Ganztag.

Bei der Umfrage gaben 40 Prozent der Eltern an, dass sie gerne eine Wahl hätten, 14 Prozent sprachen sich klar für den gebundenen Ganztag aus. Demgegenüber standen 46 Prozent die nur den offenen Ganztag wollen. Die SPD-Landtagsfraktion wertet die Zahlen als klaren Arbeitsauftrag für die Landesregierung. Sie wollte das Thema in der nächsten Sitzung des Schulausschusses an diesem Mittwoch auf die Tagesordnung setzen, doch der Ausschussvorsitzende Florian Braun (CDU) lehnte ab.

In dem entsprechenden Antrag für eine aktuelle Viertelstunde, der unserer Redaktion vorliegt, verweist die Schulpolitische Sprecherin der SPD, Dilek Engin, auch auf die Kostenpflichtiger Inhalt Forderung der NRW-Großstädte, die sich ebenfalls dafür ausgesprochen hatten, mehr gebundene Ganztagsangebote machen zu dürfen. Der Städtetag NRW hatte beklagt, dass es zwar einen Erlass gibt, der ihnen im Einzelfall die Einrichtung erlaubt, er pocht aber auf die grundsätzliche Erlaubnis.

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hatte damals verhalten reagiert und erklärt: „Wir haben erst einmal eine andere große Hausaufgabe vor uns. Ab August 2026 wird der Rechtsanspruch auf einen Platz im Ganztag eingeführt, den müssen und werden wir mit der Offenen Ganztagschule umsetzen. Wenn wir das geschafft haben, haben wir einen großen Schritt nach vorne getan. Das hat Priorität“, sagte Feller im Januar unserer Redaktion. „Ich bezweifle auch, dass sich wirklich so viele Eltern einen gebundenen Ganztag wünschen. Im ländlich-urbanen Raum hätten viele lieber eine ganz flexible Über-Mittag-Betreuung, bei der sie ihre Kinder nicht erst regelmäßig am Nachmittag abholen können.“ Auch in Ballungsräumen wünschten sich viele Familien den Offenen Ganztag.

Das lässt Engin nicht gelten. Die Forderung der Städte und die Befragung in Düsseldorf deckten sich nicht mit der Annahme der Schulministerin. Es bestehe deshalb großes öffentliches Interesse daran, zu erfahren, wie die Landesregierung die Ergebnisse der Umfrage bewertet und welche Schlüsse sie hieraus für NRW ziehe, schreibt die Bildungspolitikerin.

Engin zeigte sich verärgert darüber, dass die Aktuelle Viertelstunde nicht zugelassen wurde: „Schwarz-Grün will sich offenbar ein unliebsames Thema vom Hals halten. Eine Aktuelle Viertelstunde abzulehnen, obwohl es ein öffentliches und parlamentarisches Interesse gibt, spricht jedenfalls dafür“, sagte sie unserer Redaktion. „Dass Schwarz-Grün die Dringlichkeit nicht erkennt, spüren die Städte und Gemeinden in NRW jeden Tag. 2026 greift der Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Entsprechende Ausführungsbestimmungen und Qualitätsstandards gibt es bis heute nicht. Die kommunale Ebene braucht endlich Antworten und Wegweiser."

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