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Schule nach den Ferien: "Distanzlernen kann nur letzter Ausweg sein"

Schule nach den Weihnachtsferien : Distanzlernen nur letzter Ausweg

In Deutschland droht im neuen Jahr wieder Distanzunterricht. Eltern stellen Bedingungen: „Frühestens wenn die letzte Fabrik geschlossen ist.“ Schüler sehen selbst Wechselunterricht als bessere Alternative – im Gegensatz zu Lehrerverbänden.

Angesichts steigender Infektionszahlen durch die Omikron-Variante droht im neuen Jahr erneut Distanzunterricht. „Wenn die Infektionslage im kommenden Jahr einen sicheren und regulären Schulbetrieb nicht zulässt, wäre Distanzunterricht schmerzlicherweise die Ultima Ratio“, sagte Sabine Mistler, Landesvorsitzende des Philologenverbands NRW, unserer Redaktion. Die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte gehe klar vor. Homeschooling könne es aber nur zusammen mit einem gesamtgesellschaftlichen Lockdown geben: „Alle anderen Schutzmöglichkeiten müssten vorher ausgeschöpft sein“, stellte sie klar.

Im vergangenen Jahr waren die Schulen nach den Weihnachtsferien bundesweit in den Distanzunterricht zurückgekehrt und wochenlang geschlossen geblieben. Diese Phase des Online-Unterrichts wird von Kindern, Eltern, Lehrern und Wissenschaftlern im Nachhinein als die belastendste der gesamten Pandemie beschrieben. Bund und Länder wollen sich am 7. Januar – kurz vor Ende der Weihnachtsferien in NRW – noch einmal zusammenschalten, um das weitere Vorgehen auch mit Blick auf die Schulen zu beschließen. Auch die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, und der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, lehnen Distanzunterricht nicht kategorisch ab.

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Eltern fordern, dass dieses Mal die Kinder Priorität haben sollen. „Frühestens wenn die letzte Fabrik geschlossen ist, ist Unterricht auf Distanz denkbar“, erklärte Oliver Ziehm, Vorsitzender der Landeselternschaft der Gymnasien. Ein erneuter Rückzug ins Homeschooling könne nur das allerletzte Mittel sein, erst müssten alle Register durch die Erwachsenen gezogen werden. Die Spuren, die zwei Jahre Corona-Ausnahmezustand bei den Kindern hinterlassen hätten, seien unübersehbar. „Die Prioritäten in Corona-Zeiten müssen zugunsten der Kinder gesetzt werden. Denn besonders für sie müssen Stabilität, seelische Gesundheit und Bildung gesichert sein“, fügte Ziehm hinzu.

Auch Schüler fordern, zunächst alle Möglichkeiten auszuschöpfen und zuerst in den Wechselunterricht überzugehen, bevor Distanzunterricht angeordnet werde. Die Landesschülervertretung kritisierte, dass die Landesregierung nicht viel mehr Maßnahmen zur psychischen Gesundheit und zum allgemeinen Schutz vor Corona an Schulen ergriffen habe. Es fehle an Sozialarbeitern, an Luftfiltern - und es gebe nicht genug Kontaktbeschränkungen.

Der NRW-Philologenverband sprach sich hingegen klar gegen Wechselunterricht aus: „Viele Lehrerinnen und Lehrer arbeiten bereits am Limit, eine zusätzliche Doppelbelastung durch parallelen Präsenz- und Distanzunterricht sollten wir deshalb unbedingt vermeiden.“ Auch sei die Ausstattung der Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten regional sehr unterschiedlich. Die digitale Infrastruktur lasse nicht flächendeckend einen optimalen Distanzunterricht zu.

(kib)