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Nordrhein-Westfalen: Rot-Grün startet Umbau des Schulsystems

Nordrhein-Westfalen : Rot-Grün startet Umbau des Schulsystems

Die NRW-Regierung hat die Eckpunkte zur Gründung von Gemeinschaftsschulen beschlossen. Sie bekommen mehr Lehrer und kleinere Klassen. Kritiker sprechen von "massiver Bevorzugung".

In Nordrhein-Westfalen gibt es nach Angaben von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) derzeit 25 Gemeinden, die an einer Gemeinschaftsschule interessiert sind. Für deren Ausgestaltung hat die Grünen-Ministerin abgestimmte Eckpunkte vorgelegt.

Danach findet in den Klassen fünf und sechs gemeinsamer Unterricht statt. Dies ist anschließend auch bis Klasse zehn möglich. Allerdings können für die Klassen sieben bis zehn auch getrennte Bildungsgänge angeboten werden.

Die Gemeinschaftsschule verpflichtet alle Schüler zum Ganztagsunterricht und weist mindestens drei Parallelklassen pro Jahrgang auf. Die Mindestgröße der Klassen liegt bei 23 bis 25 Schülern; bei getrennten Bildungsgängen gilt eine Höchstgrenze von 29 Schülern. Bis zu einem Drittel der Lehrkräfte soll die Befähigung für das Gymnasium besitzen.

Die unterschiedliche Besoldung der Lehrer bleibt bestehen, doch haben alle dieselbe Unterrichtsverpflichtung von 25,5 Wochenstunden. Gemeinschaftsschulen erhalten einen Stellenzuschlag von 0,5 Stunden pro Klasse und Woche, einen "Versuchszuschlag" (0,5 Stellen pro Schule und Jahr) sowie ein "Fortbildungsbudget" von 2500 Euro.

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Löhrmann sprach von einem "attraktiven, ortsnahen Angebot", das mehr Chancengerechtigkeit schaffe. Die gymnasialen Standards würden sichergestellt. Unterschiedliche Begabungen der Schüler erforderten eine "Binnendifferenzierung". So könnten etwa bessere Schüler im Unterricht zusätzliche Aufgaben bekommen.

Die Ministerin betonte, sie setze auf Freiwilligkeit: "Wir verordnen keine Schulform von oben und schließen auch keine aus." Vor Gründung einer Gemeinschaftsschule sollten möglichst alle Grundschuleltern befragt werden. Außerdem muss es Einvernehmen mit den Trägern benachbarter Schulen geben. Dann haben die Schulkonferenzen und schließlich der Gemeinderat zu entscheiden, ob ein Antrag gestellt wird. Der wird beim Schulministerium zur Genehmigung eingereicht. Derzeit liegt ein Antrag aus dem münsterländischen Ascheberg vor.

Die FDP befürchtet den "Einstieg in die Einheitsschule". Durch die "massive Bevorzugung" der einen solle den anderen Schulformen der Boden entzogen werden. Ähnlich äußerte sich der Verband Lehrer NRW, der Rot-Grün "linke Bildungsideologie" vorwarf. CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid sagte, Löhrmanns Vorstoß kurz vor der Bildungskonferenz sei eine "Unverschämtheit". Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte indes Löhrmanns Konzept.

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(RP)