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Bonn: Röttgens SPD-Konkurrent in Bonn

Bonn : Röttgens SPD-Konkurrent in Bonn

Bernhard von Grünberg steht im Treppenhaus des Mietshauses Thuarstraße 14 und klingelt. "Guten Tag, ich bin ihr Landtagsabgeordneter. Haben sie irgendwelche Probleme?" Ursula S. bittet den Gast ins Wohnzimmer. Sie hat einen ganzen Sack voll Sorgen.

Es ist das sechste Haus, in dem der SPD-Politiker an diesem Tage die Klinken putzt. Jeder, der öffnet, erhält zwei Info-Blätter und einen Apfel. In der Thuarstraße, einem ehemaligen Problemviertel, kennen ihn viele. "Felix", so lautet der Spitzname des 66-Jährigen, bietet schon seit 40 Jahren eine Mieter- und Sozialberatung im Rathaus an. Vor zwei Jahren, als er den Wahlkreis mit 39,8 Prozent und einem Vorsprung von 6,6 Punkten auf den CDU-Bewerber gewann, fand das kaum Beachtung. Nun ist das ganz anders. Norbert Röttgen, die Nummer eins der NRW-CDU, hat sich entschieden, im Wahlkreis Bonn I für die Landtagswahl zu kandidieren. Jetzt kommt es zum Duell der unterschiedlichen Typen.

Von Grünberg saß schon 1975 für die SPD im Stadtrat. 2010 lag sein Erststimmenanteil um zwölf Punkte über dem Zweitstimmenergebnis der Partei. Schafft es Norbert Röttgen, dem Lokalmatador, der oft mit Norbert Blüm verwechselt wird, den Rang abzulaufen?

Es sei ein Beweis der Kampfbereitschaft, dass der Spitzenkandidat in einem SPD-Wahlkreis antrete, heißt es bei der CDU. Röttgen habe ihn wegen der Nähe zu seiner Heimatstadt Königswinter ausgewählt. Der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Stahl hatte den Wahlkreis zweimal gewonnen. Damals gab es allerdings noch nicht die Aufteilung in Erst- und Zweistimme. "Es war die Wahlrechtsänderung, die mir in den Landtag verhalf", sagt von Grünberg.

Der SPD-Politiker geht davon aus, dass sich Röttgen nicht ohne Hintergedanken für das Duell im Bonner Norden entschieden hat. "Er hätte ja auch den Wahlkreis seines ausgeschiedenen Parteifreunds Andreas Krautscheid im Rhein-Sieg-Kreis übernehmen können", sagt von Grünberg. "Dann wäre Röttgen sicher in den Düsseldorfer Landtag gewählt worden und hätte in jedem Fall als Oppositionsführer zur Verfügung gestanden."

Von Grünberg glaubt, Röttgen habe sich eine Art "Exit-Strategie" zurechtgelegt. Verliere der das Rennen um das Direktmandat, könne der Bundesumweltminister nur über die Landesliste ins Parlament einziehen. Ob die zum Zuge komme, stehe in den Sternen. "Sollte Röttgen gar nicht dem Landtag angehören, bliebe ihm nichts anderes übrig, als in Berlin zu bleiben", sagt der SPD-Politiker. "Er könnte ohne Gesichtsverlust gehen." Röttgen wollte die Spekulationen auf Anfrage nicht kommentieren.

Für die Menschen im Bonner Norden spielen derartige strategische Planspiele keine Rolle. In der Thuarstraße geht es um Schimmel, schulmüde Teenager, Ärger mit zu lauten Nachbarn. "Von Grünberg engagiert sich für alle", steht auf dem Flyer, den der Kandidat bei seinen Hausbesuchen verteilt.

Röttgen war bei seiner Nominierung durch die Bonner CDU mit 92 Prozent zum Landtagskandidaten gekürt worden. Am Montag wird er gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Bonner Marktplatz auftreten.

(RP/rm)