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Duell um Vorsitz der NRW-CDU: Röttgen und Laschet greifen nach der Macht

Duell um Vorsitz der NRW-CDU : Röttgen und Laschet greifen nach der Macht

Der NRW-CDU steht eine Belastungsprobe bevor: Bundesumweltminister Norbert Röttgen wird im Kampf um den Landesvorsitz gegen Armin Laschet antreten. Der Ausgang des Duells ist derzeit völlig offen. Am Ende werden wohl die Mitglieder in einer Befragung über die Besetzung des Chefpostens entscheiden. Röttgen geht mit seiner Kandidatur volles Risiko.

Das Duell um die Führung der CDU an Rhein und Ruhr nimmt immer konkretere Formen an: Nach dem ehemaligen NRW-Integrationsminister Armin Laschet wirft auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen seinen Hut in den Ring. Damit ist für die kommenden Wochen und Monate Spannung garantiert. Erst auf dem Parteitag im November soll der neue Landeschef, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU werden dürfte, offiziell gekürt werden. Zuvor scheint eine Mitgliederbefragung wahrscheinlich.

Die rund 160.000 Mitglieder der NRW-CDU hätten die Wahl zwischen zwei Politikern, die allein vom Profil her durchaus Parallelen aufweisen. Der 45-jährige Meckenheimer Röttgen und der 49-jährige Aachener Laschet stehen fast im Gleichklang für das, was bei konservativen Christdemokraten als moderne Großstadt-CDU in Verruf geraten ist. Die zwei Politiker sind als Mitglieder der Pizza-Connection offen für mögliche künftige schwarz-grüne Bündnisse. Beide pflegen eher moderate politische Töne und passen also ziemlich gut in die pragmatische CDU von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Laschet läuft sich bereits seit einigen Tagen für die Kandidatur warm. Er warf seinen Hut offiziell in den Ring, als sich Röttgen im Urlaub befand. Derzeit tingelt er auf einer Werbetour durch die Kreisverbände und betont dabei auch seine konservative Seite. "Ich engagiere mich seit Jahrzehnten als Katholik in der Politik. Die CDU muss ihre Politik aus ihren christlichen Werten erklären", sagte er kürzlich. Solche Töne kommen gerade in den ländlich geprägten Bezirken der NRW-CDU gut an. Von dem Arbeiterführer-Stil eines Jürgen Rüttgers hat sich Laschet ebenfalls abgegrenzt: "Wir dürfen anderen Parteien nicht nachlaufen. Wir dürfen nicht so tun als wären wir eine bessere SPD oder eine 'Arbeiterpartei'."

Abgrenzung vom Bund

Laschet will auch durch Kritik an der Bundespolitik und der Kanzlerin Stimmen fangen. "Wir müssen damit aufhören, jede politische Initiative als alternativlos darzustellen. Am Beispiel des Banken-Rettungspakets oder der Griechenland-Hilfe sieht man allein bei einem Blick in die Wirtschaftspresse, dass immer über Alternativen diskutiert werden kann. Deshalb nimmt es einem niemand ab, wenn man ein Gesetz als alternativlos darstellt", sagte das CDU-Bundesvorstandsmitglied. Namen nennt Laschet nicht, auch zur Röttgen-Kandidatur gab er sich bedeckt. Er nehme "das jetzt so hin", demonstrierte der frühere NRW-Integrationsminister gegenüber der "Bild" Gelassenheit. "Jetzt sind wir eben zu zweit."

Fest steht jedoch, dass er seine Truppen bereits um sich versammelt hat. Bei der Wahl zum Fraktionschef unterlag Laschet noch Karl-Josef Laumann. Doch im Gegenzug befürwortete der die "Düsseldorfer Lösung", nach der ein Kandidat aus der Landespolitik auch den Landesverband führen sollte. Generalsekretär Andreas Krautscheidt steht ebenso auf seiner Seite wie einige Bezirksverbände. Kanzleramtsminister Ronald Pofalla wird ebenfalls zu den Laschet-Unterstützern gezählt. Praktischerweise führt der den Bezirksverband Niederrhein.

Röttgen hingegen wird in der Union keine wirkliche Hausmacht zugerechnet. In Ex-Verkehrsminister Oliver Wittke, der den Ruhrverband führt, hat er einen mächtigen Verbündeten. Jens Spahn, Bundestagsabgeordneter aus dem westlichen Münsterland, sprach sich kürzlich im "Kölner Stadt Anzeiger" für eine Kandidatur Röttgens aus. Außerdem dürfte sein eigener Verband Mittelrhein hinter ihm stehen. Außerdem werden dem rhetorisch begabten Minister bei einer Mitgliederbefragung leichte Vorteile eingeräumt. Derzeit steht er im fernen Berlin wegen des Streits um die Verlängerung der Atomlaufzeiten unter Druck.

Röttgen bereit für Spitzenkandidatur

Gegenüber den NRW-Parteigliederungen sucht Röttgen nun die Annäherung. Er kündigte seine Kandidatur in einem Brief an die an die Kreisverbände an und machte sogleich deutlich, dass er sich als Landesvorsitzender auf NRW konzentrieren wolle: Er sei "selbstverständlich" bereit, "die CDU als Spitzenkandidat in die nächste Landtagswahl zu führen".

In dem Brief sprach sich Röttgen für einen Mitgliederentscheid aus. "Ich finde, die Mitglieder sollten entscheiden, anstatt dass einige wenige Personen Posten unter sich aufteilen. Dem Votum der Mitglieder möchte ich mich stellen und werde es selbstverständlich respektieren", schrieb er.

Damit setzt Röttgen alles auf eine Karte: Immerhin werden dem Minister auch höhere Ambitionen für die Zeit nach Kanzlerin Merkel zugeschrieben. Mit einer Niederlage im Duell gegen Laschet wäre er zumindest vorläufig aus dem Rennen. Als möglicher NRW-Ministerpräsident, stellvertretender Bundesvorsitzender und Chef des größten Landesverbandes hingegen wäre er langfristig ein heißer Kandidat für das Kanzleramt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Armin Laschet - früher ein junger Wilder