Höher als der Kölner Dom: Riesen-Windräder für NRW

Höher als der Kölner Dom : Riesen-Windräder für NRW

Düsseldorf (RP). Die Energiewende wird jetzt auch in NRW sichtbar: Im Rheinischen Braunkohlerevier sollen bald Windräder mit einer Gesamthöhe von 180 Metern entstehen. RWE spricht von einem technischen Quantensprung.

Das Rheinische Braunkohlerevier soll künftig zu einem Zentrum der erneuerbaren Energien in NRW werden. Der Konzern RWE plant, auf den verfüllten Rekultivierungsflächen zwei neue Windparks zu errichten. In Jüchen sollen zunächst vier Windräder mit einer Gesamthöhe von 180 Metern gebaut werden, die über eine Leistung von jeweils 3,4 Megawatt verfügen. Die zukunftsweisenden Anlagen stellten einen "technischen Quantensprung dar", sagte ein RWE-Sprecher. Das Projekt soll im Herbst genehmigt werden. Bereits im Oktober soll mit dem Bau von zehn neuen Windkraftanlagen in der Gemeinde Titz begonnen werden. Reiner Priggen, Fraktionschef der Grünen im Düsseldorfer Landtag, sagte, die Energiewende in NRW werde bald sichtbar. Nachdem RWE den Ausbau der Windkraft "bisher völlig verschlafen" habe, bekomme die Technik nunmehr endlich einen Schub.

Bislang betreibt RWE Anlagen mit rund 120 Megawatt Leistung auf Basis der erneuerbaren Energien. Dieser Wert soll in den kommenden drei Jahren auf 300 Megawatt nahezu verdreifacht, und bis 2020 dann auf bis zu 500 Megawatt gesteigert werden, teilte das Unternehmen gestern mit. Zudem will der Konzern in Bergheim Paffendorf für rund 13 Millionen Euro eine 7,4 Megawatt Biogasanlage errichten. Fritz Varenholt, Chef der Ökostrom-Tochter RWE Innogy, erklärte, bis 2020 würden jährlich im Bereich erneuerbare Energien durchschnittlich 1,3 Milliarden Euro investiert. RWE war durch den Atomausstieg unter Druck geraten. Ein Atomkraftwerk hat durchschnittlich 1000 Megawatt Leistung.

Die rot-grüne Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag die Eckdaten für die Energiewende in NRW festgeschrieben. Mit dem ersten Klimaschutzgesetz bundesweit will Rot-Grün die Treibhausgas-Emissionen in NRW bis 2020 um mindestens 25 Prozent und bis 2050 um mindestens 80 Prozent verringern. Der Ausbau der Windenergie, der unter der schwarz-gelben Vorgängerregierung bewusst gebremst worden war, spielt dabei eine zentrale Rolle: Bis 2020 soll sich der Anteil der Windenergie an der NRW-Stromerzeugung von derzeit drei auf 15 Prozent verfünffachen. Neue Windparks sollen unter anderem im Sauerland, in der Eifel und im Siegerland entstehen. Zentraler Bestandteil der Windenergie-Politik, die NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) umsetzt, ist das sogenannte "Repowering".

Dabei werden alte Windräder durch leistungsstärkere Anlagen am gleichen Standort ersetzt. Das CDU-geführte Kabinett Rüttgers hatte für Windanlagen eine pauschale Nabenöhenbeschränkung von 100 Metern festgelegt. "Ein wirtschaftlicher Betrieb erfordert unter heutigen Bedingungen im Normalfall Anlagen von 150 Metern Höhe", heißt es jetzt in einer Erläuterung des NRW-Umweltministeriums zum neuen Windenergieerlass. "Windenergie dient aber nicht nur dem Klimaschutz. Der Erlass soll auch ein Wirtschaftsmotor werden", meint Remmel. Aktuell produzieren rund 2800 Windkraftanlagen in NRW fast 40 Prozent des regenerativ erzeugten Stroms im Land. Die Branche erwirtschaftet mit 26 000 Beschäftigten rund acht Milliarden Euro im Jahr.

Kritiker der Windkraft befürchten, dass die Anlagen angesichts des oft lauen Winds in NRW nicht effizient arbeiten. "Letztlich füllt der teure Windstrom nur die Kassen der Erzeuger", sagte ein Sprecher des Vereins Verband für Gesundheit und Landschaftsschutz, der 455 Bürgerinitiativen gegen Windkraft vertritt. Windenergie sei für den Endverbraucher etwa doppelt so teuer wie herkömmlicher Strom.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Weg zum deutschen Atomausstieg

(RP)