Rheinische Landeskirche sucht dringend Presbyter

Synode der rheinischen Landeskirche : Der Kirche gehen die Presbyter aus

Im März sind Wahlen in der rheinischen Kirche – die Ehrenamtlichen übernehmen viele wichtige Aufgaben in den Gemeinden. Vielerorts wird allerdings gar keine Wahl stattfinden. Die Kirchenleitung beunruhigt das.

 Der Evangelischen Kirche im Rheinland fehlen die Ehrenamtlichen. Eigentlich sollen am 1. März in allen 668 rheinischen Gemeinden die Presbyterien neu gewählt werden. Tatsächlich wird es in der großen Mehrheit der Gemeinden aber keine Wahl mehr geben, weil sich nicht mehr Kandidaten für die Leitungsorgane aufstellen lassen, als darin Plätze vorhanden sind. „Das halte ich für sehr problematisch“, sagte Präses Manfred Rekowski vor der in Bad Neuenahr tagenden Landessynode.

In der rheinischen Kirche liegt ein Großteil der Leitungsverantwortung in den Händen der Gemeinden und Presbyterien vor Ort: Die gewählten Ehrenamtlichen stellen Haushaltspläne auf, stellen Mitarbeiter ein, entscheiden über die Gottesdienstordnung und über Baumaßnahmen. Damit diese Arbeit funktioniert, braucht es in der ganzen Landeskirche rund 7500 Engagierte, die bereit sind zu kandidieren. Schon bei der letzten Presbyteriumswahl 2016 fand nur in 40 Prozent der Gemeinden noch eine Wahl statt. „Das ist eine kritische Grenze“, sagte Rekowski vor Journalisten am Rande der Synode.

Vor den Kirchenparlamentariern kritisierte der Präses die geltenden Altersgrenzen. Derzeit endet mit dem 75. Lebensjahr die Mitgliedschaft in kirchlichen Gremien. „Dass Menschen über 75 ausgerechnet in der Kirche von der Mitwirklung an der Leitungsverantwortung grundsätzlich ausgeschlossen werden, leuchtet mir nicht ein“, sagte Rekowski. Applaus erhielt er dafür aber nicht. Stattdessen verwiesen mehrere Synodale darauf, dass die Altersgrenze gerade ermöglichen solle, dass neue Kandidaten gewählt werden.

Politisch bezog Rekowski im Präsesbericht unter anderem Stellung zur Debatte um die Organspende. Aus seiner Sicht sei die bestehende Zustimmungslösung am besten. „Eine zwangsweise Spende finde ich problematisch“, sagte Rekowski. „Wie will man es bewerkstelligen, dass alle hinreichend informiert werden und in Freiheit und wohlinformiert eine Entscheidung treffen?“

Diskutiert wurde auf der Synode am Montag auch weiterhin der Skandal über die Einführung einer neuen Finanzsoftware. Bei einer Synodaltagung im September waren Mehrkosten in Millionenhöhe bekanntgeworden. Rekowski bat am Montag dafür im Namen der Kirchenleitung um Entschuldigung.