Planspiel „Jugendlandtag NRW“: Drei Tage im NRW-Landtag als Abgeordnete

Planspiel „Jugendlandtag NRW“ : Drei Tage im NRW-Landtag als Abgeordnete - ein Erfahrungsbericht

Unsere Praktikantin Sophie Brach hat beim Planspiel „Jugendlandtag NRW“ drei Tage das Leben einer Abgeordneten geführt. Hier berichtet sie über ihre Eindrücke.

Drei Tage lang NRW-Landtagsabgeordneter sein – das ist der Grundgedanke des Planspiels „Jugendlandtag NRW“, an dem ich in diesem Jahr teilnehmen durfte. Zusammen mit 198 weiteren jungen Vertretern der „echten“ Abgeordneten sollte ich über aktuelle Themen und Anträge diskutieren und entscheiden. Unsere Beschlüsse sollen später dem echten Landtag vorgelegt werden.

Landtagsabgeordnete werden von der Bevölkerung gewählt und sollen ihre Interessen bei der Gesetzgebung vertreten. Das klingt erstmal gar nicht so kompliziert oder anstrengend. Ich kann nun bezeugen, dass die Arbeit der Abgeordneten unterschätzt wird. Der Jugendlandtag 2018 ermöglichte mir einen Blick hinter die Kulissen, der Wenigen gewährt wird.

Vergangene Woche Donnerstag also betrat ich den Landtag in Düsseldorf, wo mir zunächst eine Grüppchenbildung auffiel, wie man sie manchmal aus der Schule kennt. Nur, dass diese Grüppchen nicht durch gemeinsame Hobbies sind, sondern durch eine gemeinsame politische Orientierung. Auch im Plenarsaal, wo wir vom Landtagspräsidenten André Kuper begrüßt wurden, blieb diese Unterteilung in Fraktionen bestehen. Hier besetzte jeder Jugendliche einen eigenen Platz in seiner Fraktion. Mein Platz befand sich in den Reihen der FDP.

Sofort ging es los mit unserem straffen Zeitplan. In der ersten Fraktionssitzung musste der Vorstand gewählt werden. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass die meisten meiner Fraktionskollegen bereits „Polit-Profis“ waren. Zwischen FDP-Mitgliedern und Jungen Liberalen war ich als Nicht-Parteizugehörige ein wenig eingeschüchtert. Daher kostete es mich etwas an Überwindung, als Schriftführerin der Fraktion zu kandidieren. Meine Angst war unbegründet, denn trotz meiner Unerfahrenheit gaben mir meine Fraktionskollegen die Möglichkeit, mich als Schriftführerin zu beweisen. Meine Aufgabe war unter anderem, alle Fraktionssitzungen zu protokollieren - eine Herausforderung bei der Geschwindigkeit der Debatten. Außerdem durfte ich als Schriftführerin während der Plenarsitzung neben dem Landtagspräsidium sitzen und Abstimmung sowie Redezeiten überwachen.

Neben den Fraktionssitzungen, in denen die Digitalisierung von Schulen und ein mögliches Azubi-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr ausführlich besprochen wurden, fanden Expertenanhörungen mit Fachleuten und verschiedene Ausschusssitzungen statt. Dort trafen mehrere Vertreter aller Fraktionen aufeinander, um verschiedene Standpunkte darzulegen. Die Schwierigkeit, einen Konsens mit allen Parteien zu den Themen zu finden, machte mir bewusst, dass man häufiger Nachsicht mit Politikern haben sollte.

Dank der Veranstaltungen fühlten wir uns gut auf die abschließenden Plenarreden vorbereitet. Allerdings kostete diese Vorbereitung sehr viel Zeit, was uns auf eine weitere Schwierigkeit des Politiker-Berufes aufmerksam machte: Eine 60- bis 80-Stundenwoche. Den Arbeitssitzungen folgte ein parlamentarischer Abend, an dem viele der echten Landtagsmitglieder anwesend waren, wie beispielsweise mein zuständiger Abgeordneter, Ralf Witzel, der immer für Rückfragen und Gespräche zur Verfügung stand.

Der letzte Tag des Planspiels markierte den Höhepunkt des Programms. In der finalen Fraktionssitzung stimmten wir unsere endgültigen Positionen zu den Themen ab. Dann ging es in den Plenarsaal, wo drei Stunden lang lebendige Debatten geführt wurden, die zeigten, dass wir zu wahren Experten geworden waren. Eins stand fest: Ob Parteimitglied oder nicht – wir alle erfuhren einen Berufsalltag, der uns vorher fremd war und verließen das Projekt mit wertvollen Erinnerungen und Kontakten. Jetzt darf man gespannt sein, was die Abgeordneten aus unseren Anträgen entstehen lassen.

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