FDP-Landeschef legt Ämter nieder: Pinkwart zieht sich aus der Politik zurück

FDP-Landeschef legt Ämter nieder: Pinkwart zieht sich aus der Politik zurück

Der nordrhein-westfälische FDP-Landeschef Andreas Pinkwart zieht sich aus der Politik zurück. Dies erklärte Pinkwart am Donnerstag in Düsseldorf. Neben seinem Amt als Landesparteichef gibt er auch den Posten des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP auf. Er übernimmt zum 1. April 2011 die Leitung der Handelshochschule Leipzig (HHL). Die FDP-Spitze bedauert den Rückzug Pinkwarts.

Pinkwart selbst erklärte, er freue sich sehr auf die neue Aufgabe. "Acht Jahre lang stand für mich die politische Arbeit im Vordergrund, und meine wissenschaftliche Arbeit stand hintenan. Ab April werden sich meine beruflichen Prioritäten wieder umkehren", sagte er. "Die neue Aufgabe erfordert meinen vollen Einsatz und ist zeitlich nicht mit herausgehobenen Parteiämtern zu vereinbaren." Deshalb werde er auf dem kommenden FDP-Bundesparteitag im Mai nicht wieder als stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender kandidieren, als der er seit 2003 amtiert. Sein Mandat im Düsseldorfer Landtag gibt er Ende März zurück. Bis dahin wird er auch den Vorsitz des nordrhein-westfälischen FDP-Landesverbandes abgeben.

FDP-Chef Guido Westerwelle hat unterdessen sein Bedauern über den Rückzug seines Stellvertreters Andreas Pinkwart ausgedrückt. "Ich habe mit ihm viele Jahre als Landesvorsitzender und als stellvertretender Bundesvorsitzender hervorragend zusammengearbeitet", erklärte Westerwelle am Donnerstag in Berlin. "Wir Liberale danken Andreas Pinkwart", fügte der Außenminister hinzu.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte, Pinkwart habe eine "großartige neue Aufgabe" übernommen. Für die FDP-Führung sei es aber schade, "einen so hoch profilierten Kopf" zu verlieren. An dem Grundsatzprogramm der Liberalen wolle Pinkwart aber auch weiterhin mitarbeiten, betonte Lindner.

Über den Termin für einen Landesparteitag zur Wahl eines Nachfolgers berät sich Pinkwart in der kommenden Woche mit dem Landesvorstand. "Die Handelshochschule Leipzig ist eine der führenden Business Schools Deutschlands und will sich künftig auch europaweit in der Spitze etablieren", betonte Pinkwart. Seit seinem Eintritt in die Landesregierung 2005 war er von seiner Professur für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Siegen beurlaubt gewesen.

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Der Vorsitzende des HHL-Aufsichtsrats, Tessen von Heydebreck, sagte: "Mit Professor Pinkwart hat die Handelshochschule Leipzig eine Persönlichkeit gewonnen, die als Wissenschaftler und als Bildungspolitiker auf vielfältige und überzeugende Erfahrungen und Erfolge zurückblicken kann und nicht zuletzt über beste Kontakte in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verfügt."

Pinkwart war zuvor im Dezember 2002 als Vorsitzender des FDP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen zum Nachfolger von Jürgen W. Möllemann gewählt worden. Über Erfolge bei Kommunal- und Europawahlen führte er die nordrhein-westfälische FDP 2005 nach 25 Jahren wieder in die Landesregierung. Seit 1997 gehört er mit Ausnahme einer zweijährigen Unterbrechung dem Bundesvorstand der Liberalen an. Seit Mai 2003 zählt er zu den drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Liberalen. In der im Mai abgewählten schwarz-gelben Landesregierung war Pinkwart Minister für Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie stellvertretender Ministerpräsident. Bei der Landtagswahl trat er als Spitzenkandidat für die Liberalen an.

In den neunziger Jahren war Pinkwart bereits als Professor für Volks- und Betriebswirtschaftslehrer an der Fachhochschule Düsseldorf und später an der Gesamthochschule Siegen, der heutigen Uni Siegen, tätig. Seit dem Eintritt in die Landesregierung 2005 ist Pinkwart von seiner Professorenstelle beurlaubt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Andreas Pinkwart

(AFP/dapd/nbe/ap)
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