Tarifeinigung im öffentlichen Dienst So viel mehr verdienen bald Lehrer, Polizisten und Co.

Düsseldorf · Die Tarifbeschäftigten der Länder können sich auf Erhöhungen zwischen 340 und 600 Euro im Monat freuen. Auch auf die NRW-Beamten soll die Einigung übertragen werden. Wer demnächst wie viel mehr bekommt.

 Teilnehmer der Demonstration von Verdi, GEW, GdP und Beamtenbund stehen bei einer gemeinsamen Kundgebung am 5. Dezember vor dem Düsseldorfer Landtag.

Teilnehmer der Demonstration von Verdi, GEW, GdP und Beamtenbund stehen bei einer gemeinsamen Kundgebung am 5. Dezember vor dem Düsseldorfer Landtag.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Nach der Tarifeinigung der Länder vom Samstag steigt nun der Druck auf die Landesregierung, die stattlichen Erhöhungen auch für Beamte und Pensionäre zu übernehmen. Nach massiven Warnstreiks im öffentlichen Dienst hatten sich die Verhandler am Samstagmittag auf eine zweistufige Entgeltanpassung geeinigt: Demnach steigen die Bruttogrundgehälter ab dem November 2024 zunächst um 200 Euro, im Februar 2025 gibt es eine weitere Erhöhung um 5,5 Prozent – mindestens jedoch um 140 Euro. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, haben die Gewerkschaften eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro durchgesetzt, die jedoch gestückelt ausgezahlt wird.

Der NRW-Landesvorsitzende des Deutschen Beamtenbunds, Roland Staude, kündigte im Gespräch mit unserer Redaktion an: „Wir werden jetzt zeitnah in der kommenden Woche in Gespräche mit der Landesregierung eintreten und dabei die Eins-zu-eins- und systemgerechte Übernahme des Ergebnisses auf die Beamten und Versorgungsempfänger fordern. Alles andere wäre nicht abbildbar.“

Im Vorfeld hatte NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) auf die massiven Belastungen durch die Tariferhöhung hingewiesen. Ihm zufolge bedeutet eine Tariferhöhung um einen Prozentpunkt eine Zusatzbelastung für das Land um rund 325 Millionen Euro. Bei einer Durchschnittserhöhung von 10,5 Prozent bedeutet das 3,42 Milliarden Euro für NRW. Das Kabinett berät am Dienstag die Folgen des Abschlusses.

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Die Landesregierung müsse sich klarmachen, dass Abstriche bei der Einmalzahlung bedeuten würden, dass die Beamten bis November 2024 überhaupt nichts bekämen, warnte Staude. „Das wäre für uns untragbar. Auch zeitliche Verzögerungen bei der Übertragung halten wir für grundfalsch.“ Man rede hier über 70.000 Kommunalbeamte sowie rund 400.000 Landesbeamte und Versorgungsempfänger. „Die haben eine angemessene Wertschätzung verdient. Es darf da nicht zu einem Auseinanderklaffen kommen.“ Grundsätzlich zeigte sich Staude vorsichtig optimistisch: „Ich gehe aber von einem positiven Ergebnis aus, da bisherige Gespräche bereits sehr lösungsorientiert waren.“

Die Einigung von Potsdam vom Wochenende entspricht dem bereits vor Monaten ausgehandelten Ergebnis von Bund und Kommunen. Dank des Sockelbetrags profitieren die unteren Entgeltgruppen überproportional. Der Überblick:

  • Für einfache Tätigkeiten wie Botendienste oder Küchenhilfen steigt das Tabellenentgelt von derzeit zwischen 2094,49 Euro und 2290,30 Euro brutto im Monat ab November 2024 zunächst um 200 Euro. Im Februar 2025 gibt es dann noch einmal 140 Euro – macht unterm Strich ein Lohnplus je nach Zeit im Job zwischen 14,85 und 16,23 Prozent.
  • Beschäftigte im sozialen und medizinischen Bereich, etwa Heilerziehungspfleger, Physiotherapeuten oder Altenpfleger, bekommen derzeit noch ein Brutto-Grundgehalt je nach Berufserfahrung zwischen 2772,35 und 3476,36 Euro. In dieser Entgeltgruppe (E7) profitieren vor allem die Berufseinsteiger überdurchschnittlich vom Ergebnis: Der Anstieg um 363,48 Euro macht für sie ein Plus von 13,11 Prozent aus.
  • Angestellte Gymnasiallehrer (E13) liegen beim Berufseinstieg derzeit noch bei 4188,38 Euro Grundgehalt. Ihre Erhöhung spiegelt genau den Durchschnitt wider: 441,36 Euro brutto mehr entsprechen einem Anstieg von 10,54 Prozent.
  • Die oberste Entgeltgruppe (E15) gilt typischerweise für Beschäftigte mit Masterabschluss oder Diplom, vergleichbar mit dem höheren Dienst bei Beamten, und wird überwiegend bei leitenden Funktionen oder komplexen Projektaufgaben gezahlt. Hat man dort mindestens zwölf Jahre gearbeitet und zuvor auch drei Jahre in einem anderen Feld Berufserfahrungen gesammelt, gibt es augenblicklich 7042,26 Euro. Nach den zweistufigen Lohnerhöhungen werden dann ab Februar 2025 knapp 600 Euro obendrauf kommen – das sind 8,5 Prozent mehr.

Oppositionsführer Jochen Ott (SPD) schloss sich der Forderung nach einer Übertragung auf Beamte und Versorgungsempfänger an. FDP-Fraktionschef Henning Höne begrüßte das Ergebnis zwar, warnte jedoch davor, dass jeder Euro Tariferhöhung von den Firmen verdient werden müsse, und forderte Entlastungen für die Wirtschaft.

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