Fachkräftemangel an Schulen NRW wird mehr Lehrer zwangsversetzen

Düsseldorf · Das Land kommt nach eigenen Angaben bei der Gewinnung neuer Lehrkräfte voran. Allerdings kann es auf eine umstrittene Maßnahme nicht verzichten: die Abordnungen.

Ein Lehrer unterrichtet in einem Klassenzimmer einer Realschule.

Ein Lehrer unterrichtet in einem Klassenzimmer einer Realschule.

Foto: dpa/Marijan Murat

Mehr Nachwuchslehrer müssen sich darauf einstellen, an eine andere Schule als die eigene entsandt zu werden. NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) verteidigte die umstrittenen Abordnungen, die nach Angaben der Opposition auch dazu führen, dass potenzielle Kandidaten sich gegen den Lehrerberuf entschieden.

„Aktuell sind in Nordrhein-Westfalen von den Bezirksregierungen knapp 9300 Lehrkräfte von ihrer Stammschule an eine andere Schule abgeordnet, fast die Hälfte davon an Grundschulen“, sagte die Ministerin am Freitag. Damit habe sich die Zahl binnen Jahresfrist um 1200 Lehrkräfte erhöht – ein Plus von 13 Prozent, wie Feller erklärte. „Mir ist sehr bewusst, dass Abordnungen nicht überall auf Zustimmung stoßen und auch für manche eine Belastung darstellen“, sagte sie. Die aufnehmenden Schulen seien aber „unheimlich dankbar“, weil diese sonst nicht hätten gewährleisten können, dass jede neue Klasse eine Klassenlehrerin oder einen Klassenlehrer bekommen hätte.

Beamtete Lehrer können bis zu zwei Jahre an einer anderen Schule als ihrer Heimatschule eingesetzt werden. Derzeit laufen nach Angaben der Ministerin die Vorbereitungen für eine weitere Abordnungsrunde. Zum neuen Schuljahr werde man noch einmal mehr Abordnungen im System haben, sagte Feller. In anderen Berufszweigen, etwa bei der Polizei oder der Verwaltung, gehöre das Thema Abordnung zum Alltag dazu.

Im Zuge des Lehrermangels ist die Landesregierung zudem zurückhaltender bei der Gewährung von voraussetzungslosen Teilzeitanträgen. Das betrifft ausdrücklich nicht diejenigen Lehrkräfte, die ihrer Arbeitszeit aufgrund von Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen reduzieren müssen. Die Gewährung von weiterhin 13.000 Anträgen für voraussetzungslose Teilzeit zeige aber, dass verantwortungsvoll vorgegangen werde. Feller zufolge sei das ein Rückgang zum Vorjahr um 600. Eine Aufschlüsselung danach, ob es sich um abgelehnte oder überhaupt nicht gestellte Anträge handelt, gibt es nicht. „Das System der Abordnungen und die Restriktionen bei der Teilzeit sind und bleiben Flickschusterei“, kritisierte Dilek Engin, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Auf diese Weise werde die Landesregierung jedenfalls nur schleichend und mit Verletzungen das Ziel erreichen.

Insgesamt sei die Zahl der Beschäftigten an den nordrhein-westfälischen Schulen seit Beginn der Fachkräfteoffensive um 7000 Beschäftigte gestiegen, sagte Ministerin Feller. Dabei handelt es sich allerdings nicht ausschließlich um Lehrer, sondern auch um Sozialpädagogen, Schulpsychologen und die Alltagshelfer. 1500 davon wurden allein binnen eines Jahres an den Grund- und Förderschulen eingestellt. Aufgrund der dort gesammelten guten Erfahrungen sollen diese Unterstützungskräfte ab dem neuen Schuljahr auch an den Haupt- und Realschulen in den Jahrgangsstufen fünf und sechs zum Einsatz kommen, kündigte die Ministerin an.

Mehr als 160 Vertretungslehrkräfte seien zudem entfristet worden, 465 zusätzliche Studienplätze seien geschaffen worden – vor allem für die Lehrämter an den Grundschulen und in der Sonderpädagogik. Zudem sei es gelungen, die Zahl der Lehrkräfte, die über das Renteneintrittsalter hinaus Dienst täten auf insgesamt 1543 Lehrer mehr als zu verdreifachen. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Feller.

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