Bericht der Landesregierung Warum der NRW-Beamtennachwuchs schlechter ist als früher

Düsseldorf · Eine Abfrage unter den Behörden des Landes zeigt, dass die Qualität von Bewerbern und eingestellten Kräften nachgelassen hat. Zugleich erhöht die steigende Zahl der zu besetzenden Stellen den Handlungsdruck.

Mit 3000 Neulingen wurde zuletzt im Bereich der Polizei am meisten neu eingestellt.

Mit 3000 Neulingen wurde zuletzt im Bereich der Polizei am meisten neu eingestellt.

Foto: Seybert, Gerhard (seyb)

Um weiterhin ihre Stellen besetzt zu bekommen, müssen die Behörden in Nordrhein-Westfalen stärker auf Bewerber setzen, die noch vor ein paar Jahren keine Chance auf Einstellung gehabt hätten. Wie aus einem Bericht von Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) an den Landtag hervorgeht, ist diese Entwicklung bei der Einstellung von Nachwuchsbeamten und Ausgebildeten über weite Teile der Landesverwaltung verbreitet.

So erklärte etwa die Präsidentin des Oberlandesgerichts Hamm, Gudrun Schäpers, „dass in den vergangenen Jahren eine abnehmende Qualität der Bewerbungen und eingestellten Kräfte zu beobachten ist“: „Zum einen können manche der in der Schulzeit erlangten Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber in den vergangenen Jahren zum Teil im Vergleich zu den Vorjahren als lückenhafter und niedriger eingeschätzt werden, was hier zum geringfügigen Herabsetzen der an die im Einstellungsverfahren an die Bewerberinnen und Bewerber gestellten Anforderungen führte.“ Zum anderen seien erhöhte Einstellungszahlen zu bedienen, sodass entsprechend auch Bewerber mit schwächer ausgeprägten Kompetenzen einzustellen gewesen seien.

Der Präsident des Oberlandesgerichts Köln, Bernd Scheiff, erklärte, man habe im Verlauf des Auswahlverfahrens die Mindestanforderungen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch sowie einem Fach der Sozialwissenschaften auch mit Blick auf den Rückgang der Zahl der Bewerbungen von neun Punkten auf acht Punkte (befriedigend), teilweise auch darunter, reduziert.

Auch im Geschäftsbereich des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft berichteten verschiedene Einrichtungen, „dass die Qualität der Bewerbungen deutlich abgenommen hat“. Beim Landesbetrieb Straßen NRW würden aufgrund der Bewerberlage in der Regel gar keine Eignungsnoten mehr verlangt, sondern lediglich Schulabschlüsse.

Wie schwierig dennoch die Besetzung ist, belegt das Verhältnis ausgeschriebener zu besetzten Stellen: Demnach wurden von 16.348 zu vergebenden Positionen zum Stichtag 1. September nur 9720 besetzt. Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds NRW, Roland Staude, sagte: „Die Differenz von fast 60 Prozent besetzter Stellen zu den ausgeschriebenen Stellen ist ein deutliches Zeichen mangelnder Attraktivität des öffentlichen Dienstes.“ Hier müsse das Bedürfnis nach Work-Life-Balance, lebensphasengerechten Arbeitszeiten, Co-Working sowie Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Karriere stärker in den Fokus gerückt werden, um im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft bestehen zu können.

„Wir erleben die Tendenz, dass die Einstellungen beim Land mit immer schlechteren Benotungen erfolgen und zugleich die Abbrecherquote während der Ausbildung steigt“, warnte der SPD-Abgeordnete Stefan Zimkeit. „Da besteht aus meiner Sicht ein Zusammenhang. Deshalb ist vonseiten des Landes eine bessere Förderung und Betreuung im Bereich der Ausbildung dringend notwendig, um die jungen Menschen dann im laufenden Betrieb fitzumachen und zu -halten.“

Bei der praktischen Ausbildung komme leider hinzu, dass aufgrund der dünnen Personaldecke und der damit gestiegenen Arbeitsverdichtung die erfahreneren Kollegen kaum Zeit hätten, den Nachwuchs anzuleiten. „Hier könnte man beispielsweise darüber nachdenken, mit Hilfe von Zulagen mehr erfahrene Kollegen dafür zu gewinnen, dass sie diese Mentorenrolle übernehmen.“ Insgesamt erlebe man, dass der öffentliche Dienst und das Berufsbeamtentum anscheinend nicht mehr die Strahlkraft wie früher haben. „Das ist eine bedenkliche Tendenz, weil der Staat natürlich handlungsfähig bleiben muss“, warnte Zimkeit

Auch Staude sagte: „Bei den öffentlichen Arbeitgebern muss die Erkenntnis reifen, dass die Beschäftigten keine ,Kostenstellen mit zwei Ohren’ sind, sondern der Garant für die Funktionsfähigkeit des Staates. Dazu gehört sicher ein angemessener Abschluss in der anstehenden Einkommensrunde.“ Bei den Einstellungskriterien sei es für den Beamtenbund außerordentlich wichtig, dass die qualitätssichernde Funktion des öffentlichen Dienstes auch bei der Auswahl der Auszubildenden ein entscheidender Faktor bleibe.

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