Kampf gegen die Legionärskrankheit: NRW warnt vor Keimen im Bad

Kampf gegen die Legionärskrankheit : NRW warnt vor Keimen im Bad

Düsseldorf (RP). Ab November gilt die neue Trinkwasserverordnung. Dann müssen Eigentümer Warmwasserboiler und Leitungen auf Legionellen testen lassen. Die Keime können schwere Lungenentzündungen auslösen. Ärzte befürworten die Novelle. Für Gesundheitsämter kann es personell eng werden.

Seit Monaten können die Schwimmer in Duisburg-Wanheimerort im Lehrschwimmbad der Kranichschule nur kalt duschen. Auch das Hildener Schwimmbad Hildorado musste vor einigen Jahren gesperrt werden. Ursache war in beiden Fällen Legionellen-Befall. Auch im Haushalt infizieren sich viele Menschen mit den Bakterien: 2010 erkrankten allein in Ulm 100 Menschen an Legionellen. 2010 registrierte das Roland-Koch-Institut bundesweit 690 Legionellosen. In NRW waren es in diesem Zeitraum 120.

Mit der neuen Trinkwasserverordnung, die ab 1. November gilt, soll das Infektionsrisiko in Privathaushalten gesenkt werden. Die Initiative geht auf eine EU-Richtlinie zurück. Für viele Immobilienbesitzer bedeutet die neue Regel zusätzliche Kosten. Eigentümer, die ihre Wohnungen oder Häuser vermieten und Warmwasser-Anlagen haben, müssen ihre Anlagen überprüfen lassen. Der Keim-Check ist laut Umweltministerium bei Boilern mit mehr als 400 Liter Inhalt oder Warmwasserleitungen mit mehr als drei Liter Inhalt zwischen dem Trinkwassererwärmer und der Entnahmestelle obligatorisch. Eigenheimbesitzer, die das Objekt selbst bewohnen, unterliegen dieser Pflicht nicht.

Wie viele der rund drei Millionen Hausbesitzer in NRW betroffen sind, lässt sich laut Landesumweltministerium nicht sagen. Allein in Krefeld sind es nach Schätzungen des Verbandes Haus und Grund mindestens ein Drittel der 4500 Mitglieder. Es könnten je nach Auslegung der Verordnung wesentlich mehr sein, sagt Geschäftsführer Michael Heß. Der Verband rechnet mit Kosten von etwa 200 Euro pro Jahr für ein Mehrfamilienhaus mit acht Parteien — zusätzlich zu Mehrkosten für Hausbesitzer durch Dichtigkeitsprüfungen, die ebenfalls durch die neue Trinkwasserverordnung notwendig werden. Die Kosten könnten laut Verband an Mieter weitergegeben werden.

Legionellen vermehren sich in warmem Wasser

Mit den Überprüfungen will das Umweltministerium die Gefahr aus der Dusche bannen. Legionellen vermehren sich nämlich besonders gut im 25 bis 50 Grad warmen Wasser — eben in Duschen, Whirlpools, oder Badewannen.

Die Bakterien werden in Form von zerstäubten Wassertropfen eingeatmet. Sie können Infektionen der Atemwege auslösen, die bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, im schlimmsten Fall zum Tode führen. "Werden sie in konzentrierter Form aufgenommen, können sie schwere Lungenentzündungen auslösen", sagt Andreas Meyer, Chefarzt der Pneumologie am Maria Hilf Krankenhaus in Mönchengladbach.

200.000 Menschen werden pro Jahr wegen Lungenentzündungen in Kliniken eingewiesen — "mehr als wegen eines Herzinfarkts", sagt der Facharzt. Bis zu 15 Prozent der Pneumonien werden durch Legionellen verursacht. Und: Die Dunkelziffer sei hoch, "weil nicht bei allen Lungenentzündungen Proben genommen und die Erreger erkannt werden", bestätigt Meyer.

Groß ist das Risiko besonders bei alten und chronisch kranken Menschen. Stärker betroffen sind auch Männer und Raucher. "Die Zahl der Infektionen wird mit einer älter werdenden Gesellschaft steigen", sagt Meyer. "Deshalb ist es richtig, eine Infektionsquelle, die man kennt und mit geringem Aufwand beseitigen kann, einzudämmen."

Dennoch kritisiert die Wohnungswirtschaft vor allem, dass es noch viele offene Fragen gibt. "Die Änderung ist vor einem Jahr auf Bundesebene beschlossen worden, auf Ebene der Länder ist aber noch vieles unklar", sagt Erik Uwe Amaya, Geschäftsführer von Haus und Grund Rheinland. "Analysieren die Labore nur oder entnehmen Sie auch die Proben? An welchen Stellen muss geprüft werden? Wie prüft man das in der Praxis?"

Das Amt für Natur- und Umweltschutz (Lanuv) hat 50 Laboratorien benannt, die Untersuchungen auf Legionellen durchführen können. Nicht nur für die Institute, auch für die Gesundheitsämter, die künftig die Tests überwachen sollen, bedeutet das einen erhöhten personellen Bedarf. "Die Gesundheitsämter der Städte und Kreise werden im November mehrere Zehntausend Bescheide erhalten", sagt Heß. Zunächst werde es wohl in der Verantwortung der kommunalen Gesundheitsämter liegen, wie sie die Verordnung umsetzen.

Fest steht: Hauseigentümer müssen ihrer Prüf- und Anzeigepflicht nachkommen. Wer dies nicht tut, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Hier geht es zur Infostrecke: Fragen und Antworten rund um die Legionärskrankheit

(RP)
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