Sicherheit in Einrichtungen: NRW testet neue Frauenhaus-Konzepte

Sicherheit in Einrichtungen : NRW testet neue Frauenhaus-Konzepte

Die nordrhein-westfälische Landesregierung testet neue Konzepte für Frauenhäuser. Um den Bedarf landesweit zu decken, will sich das Land unter anderem an einem Modellprojekt des Bundes beteiligen. 5888 Frauen wurden 2016 wegen fehlender Plätze abgewiesen.

Im Jahr 2016 gab es dem Ministerium zufolge 28.227 Polizei-Einsätze wegen häuslicher Gewalt. In 14.605 Fällen wurde der gewalttätige Partner der gemeinsamen Wohnung verwiesen, und in 11.089 Fällen wurden die betroffenen Frauen an Beratungsstellen und Frauenhäuser weitervermittelt.

Normalerweise ist nicht bekannt, wo sich Frauenhäuser befinden, um so die Frauen und häufig auch Kinder vor ihren gewalttätigen Männern und Vätern zu schützen. Der Nachteil sei aber, dass die Opfer sich verstecken müssten und dadurch zusätzlich belastet seien, hieß es im Gleichstellungsministerium. Hier knüpfe das neue Konzept an.

Regionale Besonderheiten berücksichtigen

Das Sicherheitskonzept in diesen Frauenhäusern sieht Schleusen, Kamerasysteme, Transponder und einen geschützten Innenhof vor. Besonders stark gefährdete Frauen können Sicherheitswohnungen in einem alarmgesicherten Haus in Anspruch nehmen. Zudem sollen Hilfen für Frauen, Männer und Kinder enger abgestimmt werden.

Das geplante Modellprojekt des Bundes soll überdies dazu dienen, die entsprechenden Hilfen für Frauen weiterzuentwickeln, wie die Ministerin ankündigte. Dabei werde das Land erstmals regionale Besonderheiten berücksichtigen.

NRW sei eines von fünf Bundesländern, das vom Bund für das Modellvorhaben ausgewählt worden sei, sagte Scharrenbach in ihrem Bericht für das Jahr 2018. Wie das Modell genau aussehen soll, stehe noch nicht fest, weil die entsprechenden Bundesmittel wegen der laufenden Koalitionsverhandlungen noch nicht freigegeben seien, hieß es dazu ergänzend im Ministerium. Für Frauenhäuser in NRW sollen in diesem Jahr aus dem Landeshaushalt 500.000 Euro mehr zur Verfügung stehen als im Vorjahr.

Schutzräume auch für Männer

Die Plätze in den Frauenhäusern reichen bei weitem nicht aus. 2016 mussten landesweit 5888 Frauen abgewiesen werden. Im Jahr zuvor waren es 4698. Dagegen fanden 3602 Frauen mit 3789 Kindern Aufnahme, wie es in der Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage hieß. Durchschnittlich verbrachten die Frauen 2016 in den Einrichtungen etwa zwei Monate. Die aktuelle Zahl liegt aber unter anderem wegen der Wohnungsnot deutlich darüber.

Scharrenbach versicherte, sie sei mit den Trägern der Frauenhäuser im Gespräch, um etwas gegen die Platznot zu unternehmen. Auch für Männer, die Opfer häuslicher Gewalt werden, sollen Schutzräume geschaffen werden.

Für Gleichstellungsfragen will die Landesregierung in diesem Jahr insgesamt etwas mehr als 35 Millionen Euro ausgeben bei einem Gesamtvolumen des NRW-Haushalts von mehr als 70 Milliarden Euro.

Neues Konzept für Girls' und Boys' Days

Besondere Aufmerksamkeit soll dem Ziel gelten, die Frauenerwerbstätigkeit zu steigern, die bundesweit zu den niedrigsten zählt. Dies geschehe etwa in den "Kompetenzzentren Frau und Beruf". Dort arbeiten kleine und mittlere Unternehmen mit Hilfe von Industrie- und Handelskammern zusammen, um Frauen als Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Die Kompetenzzentren sollen nach Scharrenbachs Willen zwar fortgeführt werden. Allerdings plant sie die noch nicht bewilligten EU-Fördermittel zur Ko-Finanzierung bereits ein.

Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Gleichstellungsministerin in diesem Jahr ist ein neues Konzept für die Girls' und Boys' Days. Dabei können Mädchen und Jungen an einem Tag im Jahr für ihr Geschlecht untypische Berufe ausprobieren.

"Die Aktionstage an einem Tag des Jahres wirken nicht weit genug", sagte Scharrenbach. Seit Jahren wähle die Mehrzahl der Jungen und Mädchen immer dieselben zehn Berufe, daran hätten die bisherigen Aktionstage wenig ändern können.

Nach dem Vorbild Baden-Württembergs will die Ministerin daher eine Akademie gründen. Dort können Schüler im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft Schnuppervorlesungen an Hochschulen besuchen, bei Betriebsbesuchen Vorbilder kennenlernen oder Praxis-Übungen und Bewerbungstrainings machen. Insgesamt 30 bis 60 Stunden könnten vom Schuljahr 2019/20 an dafür angesetzt werden, so die Ministerin.

(RP)
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