NRW-SPD will neue Sozialwohnungs-Hochhäuser

Mit bis zu zehn Stockwerken: SPD will neue Sozialwohnungs-Hochhäuser in NRW

Der soziale Wohnungsbau ist in der Sackgasse. Der Bedarf wächst rasant, aber das Angebot geht zurück. Die SPD schlägt neue Sozialwohnungs-Hochhäuser vor. Wie sie trotzdem ein Comeback des 70er-Jahre-Plattenbaus verhindern will.

Im Kampf gegen den Mangel an Sozialwohnungen fordert die SPD-Fraktion im Landtag den Neubau von staatlich geförderten Hochhäusern mit bis zu zehn Stockwerken. „Wo es zu wenig Baugrundstücke gibt, muss eben in die Höhe gebaut werden“, sagte der Fraktionsvize der SPD im Landtag, Jochen Ott, unserer Redaktion. Ott: „Ohne einen neuen, öffentlich geförderten Hochhaus-Bau ist der Bedarf an Sozialwohnungen in den großen Städten in NRW nicht zu decken.“

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) räumte kürzlich ein, dass der Sozialwohnungs-Neubau 2018 erneut um 15 Prozent auf kaum mehr als 6100 Einheiten eingebrochen ist . Sie nannte den Mangel an Baugrund als eine wesentliche Ursache. Weil jährlich etwa 10.000 Sozialwohnungen aus der Preisbindung fallen und der Bedarf rasant wächst, wird der Neubaubedarf in NRW auf 20.000 Einheiten pro Jahr geschätzt.

Silke Gottschalk, Chefin des Deutschen Mieterbundes in NRW, sagt: „Wenn die neuen Sozial-Hochhäuser sich gut in die Landschaft einfügen und für mehr sozialen Wohnraum sorgen, ist das eine gute Idee.“ Auch Thomas Hegel, Chef des Immobilienkonzerns LEG, begegnet dem SPD-Vorstoß aufgeschossen: „Angesichts des knappen Baulandes könnten wir beim sozialen Wohnungsbau auch in die Höhe denken“, so Hegel. Skeptisch stimmt, dass von der Blüte des sozialen Hochhausbaus in den 1970-er Jahren vor allem soziale Brennpunkte übrig geblieben sind. Ein berüchtigtes Beispiel ist die Plattenbau-Siedlung in Köln-Chroweiler. Das NRW-Bauministerium sagt: „Bausünden, die in der Vergangenheit gemacht worden sind, sollten nicht wiederholt werden.“ NRW sieht die Förderung von sozialem Wohnraum bis auf wenige Ausnahmen nur noch bis zu vier Vollgeschossen vor.

Ein Chorweiler-Comeback will die SPD ausschließen. „Wir orientieren uns am ‚Wiener Modell‘“, erklärt Ott. Die Vorgabe für vergleichbare Hochhausprojekte in der österreichischen Hauptstadt: Nur ein Teil der Wohnungen muss im Rahmen staatlich festgelegter Höchstpreise vermietet werden, der Rest wird frei vermarktet. Ott: „Wenn in einem zehnstöckigen Sozial-Wohnhaus die Stockwerke für Sozialwohnungen und frei finanzierte Wohnungen gemischt werden, wäre schon viel gewonnen.“ Mit der Mischung von starken und schwachen Einkommensschichten will die SPD die Stigmatisierung solcher Gebäude verhindern. Zudem sollen die geförderten Hochhäuser nur Ballungsräumen entstehen, wo der Boden besonders knapp ist.

Zwar werden auch in NRW sporadisch immer noch Hochhäuser gebaut. Aber sie enthalten so gut wie keine Sozialwohnungen mehr. Wegen besonderer Brandschutzvorschriften ist der Hochhausbau extrem teuer geworden. Da die Feuerwehr aus mehr als 22 Metern Höhe nicht mehr über Drehleitern evakuieren kann, müssen noch höhere Gebäude beispielsweise einen zweiten Rettungsweg vorweisen. Schon die Notwendigkeit eines zweiten Treppenhauses schließt preiswerten Hochhaus-Bau aus. Deshalb fordert die SPD ein neues Förderprogramm speziell für den vielgeschossigen Sozialwohnungsbau.

Hegel, dessen LEG unter anderem 34.000 Sozialwohnungen vermietet, sagt: „Der Ansatz, Menschen mit unterschiedlichen Einkommen innerhalb eines Hochhauses eine bezahlbare Wohnung zu bieten, ist richtig.“ Zumal der SPD-Vorschlag flankierend einen festen Stamm an Hausmeistern und Sozialarbeitern vorsieht, „um das Dorf in der Vertikalen gut zu managen“, wie Ott ausführt. Der Mieterbund betont, dass der soziale Wohnungsbau längst nicht mehr nur die Ränder der Gesellschaft betrifft. Weil die Mieten in Städten wie Köln und Düsseldorf seit Jahren deutlich schneller als die Einkommen steigen, hat hier inzwischen etwa jeder zweite Anspruch auf eine Sozialwohnung.

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