NRW-Schulministerin will zweite Fremdsprache ab Klasse 7

Rückkehr zum alten Modell: NRW-Ministerin will zweite Fremdsprache erst ab Klasse 7

Die schwarz-gelbe Landesregierung will mit dem Unterricht in Französisch oder Latein künftig wieder ein Jahr später beginnen. Elternvertreter begrüßen den Schritt, die Lehrer sind gespalten.

Rückkehr zu einem bekannten Modell: An den weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen soll die zweite Fremdsprache nach dem Willen der Landesregierung künftig erst wieder vom siebten Schuljahr an unterrichtet werden. "Ich halte einen Start in Klasse 7 für sinnvoll", sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) unserer Redaktion. Dies entspreche dem Wunsch fast aller Beteiligten.

"Es wird auch in allen anderen Schulformen gewünscht, ein Jahr später als bisher anzufangen", fügte die Ministerin hinzu. Deshalb und im Sinne der Möglichkeit, von einer Schulform in die andere zu wechseln, sei es "geboten, an allen Schulformen gleichzeitig in Klasse 7 zu beginnen". Der notwendigen Änderung der entsprechenden Verordnung muss noch der Schulausschuss des Landtags zustimmen.

Die meisten Bundesländer fangen ab Klasse 6 an

Die von Gebauer angestrebte Regelung galt bereits vor der Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre. Die schwarz-gelbe Landesregierung will von 2019 an grundsätzlich zur neunjährigen Gymnasialzeit (G9) zurückkehren; die Schulen sollen sich aber mit einer Mehrheit von zwei Dritteln plus einer Stimme in der Schulkonferenz auch für den Verbleib im achtjährigen System (G8) entscheiden können. Vielen Schulen ist die Festlegung, wann die zweite Fremdsprache einsetzt, also meist Französisch oder Latein, für diese Entscheidung wichtig.

Die Meinungen, ab wann die zweite Fremdsprache unterrichtet werden sollte, gehen auseinander. "Es gibt keine sachlichen Erkenntnisse, die zweite Fremdsprache wieder nach hinten zu verlegen", sagte Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbands in NRW. Die meisten Bundesländer, auch Bayern, fingen damit schon in Klasse 6 an. Auch könnten die sprachlichen Fähigkeiten eines Schülers dann mit in jene Beurteilung einfließen, die am Ende der Erprobungsstufe nach Klasse 6 ansteht. Sie entscheidet darüber, ob ein Schüler versetzt wird und ob er das Gymnasium verlassen muss.

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"Das einzige Argument für Klasse 7 ist Erleichterung für die Schüler - das ist aber nicht das überzeugendste", sagte Silbernagel. Wenn die Schulministerin eine Qualitätsoffensive an den Gymnasien starten wolle, dürfe es kein Argument sein, Schülern das Leben leichter zu machen. Silbernagel schlug stattdessen vor, Englisch statt wie derzeit vom ersten Grundschuljahr an erst in der dritten Klasse zu unterrichten. Die zweite Fremdsprache könne dann in Klasse 6 einsetzen, die dritte in Klasse 8 und die vierte in der Oberstufe. An Gesamtschulen könne die Folge anders gehandhabt werden.

Lehrer-Gewerkschaft begrüßt Ankündigung

Maike Finnern, Vorstand der Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW, hingegen begrüßte die Ankündigung: Es habe viele Kinder überfordert, so kurz nach der ersten Fremdsprache die nächste zu erlernen. "Die Grundlagen in Englisch müssen erst gefestigt sein", sagte Finnern. Ähnlich äußerte sich Regine Schwarzhoff, Vorstand des Elternvereins NRW. Sie plädiert dafür, in der Grundschule den Schwerpunkt stärker auf Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen. Dann könne Englisch von Grund auf ab Klasse 5 unterrichtet werden, die zweite Fremdsprache ab Klasse 7\. Auch die G 9-Elterninitiativen sind für einen Start in Klasse 7\.

Ministerin Gebauer überprüft zurzeit auch den Englischunterricht an Grundschulen. "Es gab dazu eine Anhörung, ich warte jetzt auf die Meinungsbildung im Parlament", sagte sie. Zu klären sei, ob der Englischunterricht weiter so früh wie bisher einsetze. An eine Abschaffung sei aber nicht gedacht: "Mir geht es um den richtigen Zeitpunkt, mit dem Unterricht zu beginnen."

(kib, fvo)
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