Kritisierte Lernplattform Schulministerin stellt Logineo auf den Prüfstand

Düsseldorf · Die viel kritisierte Lern- und Kommunikationsplattform Logineo NRW soll ergebnisoffen bis zum kommenden Jahr geprüft werden. Eltern und Lehrer begrüßen diesen Schritt ausdrücklich. Das Land müsse zur Not auch den Mut haben, das Projekt zu beerdigen.

In der Corona-Pandemie mussten sich die Schulen mit Lernplattformen behelfen.

In der Corona-Pandemie mussten sich die Schulen mit Lernplattformen behelfen.

Foto: dpa/Felix Kästle

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hat – wie im Koalitionsvertrag verabredet – die unabhängige Überprüfung der Schulplattform Logineo auf den Weg gebracht. Den sogenannten Zukunftscheck soll das Fraunhofer-Institut Fokus durchführen. Die Ministerin versprach: „Wir prüfen Logioneo NRW gründlich, gewissenhaft und ergebnisoffen. Dazu werden wir uns auch intensiv mit den Nutzerinnen und Nutzern von Logineo NRW austauschen. Wir wollen ihre Erfahrungen aus der Praxis in den Zukunfts-Check miteinbinden.“

Die Lernplattform war bei Lehrern, Eltern und Schülern gleichermaßen wiederholt in die Kritik geraten. Das inzwischen im Wesentlichen aus drei Modulen bestehende System dient einerseits der Administration der Lehrkräfte via eigener E-Mail-Adresse und Clouddiensten, als Messanger mit Videokonferenzfunktion und als sogenanntes Lernmanagementsystem, das beim Lernen auf Distanz zur Anwendung kommt.

„Die Eltern sind nicht die Administratoren“, sagte eine Sprecherin der Landeselternschaft der Gymnasien. „Aber natürlich sind sie erste Ansprechpartner, wenn bei den Kindern etwas hakt.“ Man merke auch heute noch, dass Logineo in seinem Ursprung ein reines Verwaltungstool gewesen sei, um die Kommunikation der Schulleiter mit den Lehrern sicherzustellen, das dann aber in der Pandemie umfunktioniert worden sei. Zwei Kritikpunkte sind etwa, dass für jedes der drei Module der Nutzer extra angelegt werden müsse und die Systeme nicht ausreichend miteinander kommunizierten. Und doch setzen viele Schulen darauf, nicht zuletzt weil das Angebot kostenfrei vom Land zur Verfügung gestellt wird. „Die technischen Probleme sind aus unserer Sicht durchaus in den Griff zu bekommen - sie müssen dann nur auch entschieden angepackt werden“, so die Sprecherin des Elternverbands. „Wir begrüßen, dass Logineo richtig auf den Prüfstand gestellt wird.“

Dem schließt sich Andreas Bartsch, Vorsitzender des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands, an: „Wir brauchen ein ausgereiftes Werkzeug, und davon ist Logineo trotz der langen Entwicklungsphase leider immer noch viel zu weit entfernt.“ Die Schwachstellen seien immer noch zu groß. „Das betrifft die Performance genauso wie Sicherheitsfragen und Anwenderfreundlichkeit.“ Bartsch äußerte Verständnis dafür, dass das Ministerium versuche, zu retten, was zu retten ist. „Wenn die Prüfung aber zu dem Ergebnis kommt, dass man es abschaffen sollte, dann muss die Landesregierung auch entsprechend handeln.“

Die Frage wäre dann aber, welche Alternative sich böte. „Natürlich gibt es auch die großen Player wie Google, Microsoft, Apple, die sich nur zu gerne in diesem Bereich tummeln würden“, sagt Bartsch. „Die Vorbehalte haben sich da meines Erachtens auch ein bisschen verselbstständigt. Die Politik wäre ja durchaus in der Lage, ordentliche Rahmenbedingungen zu setzen, dass diese Anbieter dann nicht am Ende die Schulpolitik bestimmen oder ungerechtfertigt Daten abfischen.“

SPD-Fraktionsvize Jochen Ott, forderte Vorkehrungen des Landes: „Wenn die Ministerin Logineo wirklich ergebnisoffen auf den Prüfstand stellen will, dann muss sie für den schlechtesten Fall auch einen Plan B bereit haben. Was passiert, wenn die Plattform beim Zukunfts-Check durchfällt? Welche Alternativen sind dann produktionsreif und sofort einsatzfähig?“ Darauf müsse die Landesregierung auch eine Antwort geben. „Vor allem sollte sie auch Transparenz bei den Kosten walten lassen. So sieht der Haushaltsentwurf 2023 steigende Kosten für Logineo in Höhe von rund 22,5 Millionen Euro vor“, sagte Ott. Das sei im Vergleich zu 2022 eine Erhöhung um das Fünffache. „Warum soll so viel Geld in ein Produkt gesteckt werden, wenn gar nicht klar ist, wie es damit weitergehen soll? Dabei ist noch nicht einmal klar, wie hoch die Kosten insgesamt sind – und wie viel davon für Beratung, Betrieb, Produktion und Support anfallen? Hier muss Frau Feller mehr Licht ins Dunkel bringen.“

Logineo bei einem negativen Urteil des Fraunhofer Instituts Fokus direkt zu beerdigen, könnte vertraglich schwierig werden: Wie unsere Redaktion aus Fachkreisen erfuhr, ist der Hostingsvertrag für das System erst in diesem Sommer um drei weitere Jahre verlängert worden.

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