Keine Sonderrechte mehr für Bayern Schulministerin Feller will spätere Sommerferien für NRW

Düsseldorf · Bislang besetzen Bayern und Baden-Württemberg stets die späten Sommerferien-Termine. Dadurch haben Kinder dort bessere Lernbedingungen, weniger Unterrichtsausfall durch Hitzefrei und Eltern bessere Chancen auf günstige Urlaubsbuchungen. Was Schulministerin Feller nun vorhat.

Auch Familien in NRW sollen ihren Urlaub später nehmen dürfen, fordert die Politik im Land. (Symbolbild)

Auch Familien in NRW sollen ihren Urlaub später nehmen dürfen, fordert die Politik im Land. (Symbolbild)

Foto: dpa/Jens Büttner

Pünktlich zum Start der Sommerferien hat Schulministerin Dorothee Feller (CDU) angekündigt, dass sie das System verändern will. Die nächsten Verhandlungen über die bundesweiten Ferien-Regelungen werde die Landesregierung nutzen, „um sich für eine für alle Länder gerechte Lösung einzusetzen, die ohne Sonderrechte für die südlichen Bundesländer auskommt“, sagte Feller am Freitag im Landtag. Umstände, die die heute noch geltende Ausnahmeregelung für Bayern und Baden-Württemberg rechtfertigen könnten, seien mittlerweile „nicht mehr ersichtlich“. Ihres Erachtens, so Feller, sollte zudem erwogen werden, die großen Ferien generell nicht vor Juli beginnen zu lassen.

Bislang sprechen sich 14 der 16 Bundesländer bei den Startterminen der Sommerferien ab und sind wechselnd mal etwas früher, mal etwas später dran. So war NRW in den beiden vergangenen Jahren bereits im Juni an der Reihe. Bayern und Baden-Württemberg beteiligen sich an diesem System aber nicht: Sie besetzen immer den spätesten Abschnitt im bundesweiten Zeitkorridor. Unter anderem mit einer historischen Begründung, die heute kaum noch Bestand haben dürfte: Die Kinder und Jugendlichen bräuchten die schulfreie Zeit, um im Spätsommer bei der Ernte zu helfen. Davon abgesehen decken spätere Ferienzeiten aber auch die heißesten Sommertage besser ab und ermöglichen gegebenenfalls günstigere Reisebuchungen.

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Änderungen sind zwar erst ab 2030 möglich – bis dahin haben die Bundesländer alle Ferientermine bereits festgezurrt. Aber die Vorbereitungen für die Planungen begännen „in absehbarer Zeit“, sagte Schulministerin Feller. Es bleibe also Zeit für grundsätzlichere Erwägungen. Unter den Kultusministern der Länder habe sie „auf die klare Haltung der Landesregierung hingewiesen, dass ab 2030 auf eine gleichberechtigte Teilnahme aller Bundesländer am rollierenden System geachtet werden muss“.

Beifall kam von der politischen Opposition, die die Debatte in der Landespolitik überhaupt erst angestoßen hatte. „Wenn Frau Feller das hinkriegt, freue ich mich darüber“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Franziska Müller-Rech. „Wir wünschen der Ministerin viel Erfolg, sich durchzusetzen.“

Die SPD fordert dafür nun Unterstützung von höchster Stelle ein. „Entscheidend ist, dass NRW das zur Chefsache macht. Im Zweifel müssen Ministerpräsident Hendrik Wüst und der Chef der Staatskanzlei Nathanael Liminski sich da einbringen“, forderte der Fraktionschef der Sozialdemokraten, Jochen Ott. Dringlich genug ist die Lage seiner Meinung nach. „Bei uns fällt einfach mehr Unterricht aus, weil die Schule mitten im Hochsommer wieder losgeht und man Hitzefrei geben muss. Der Klimawandel verschärft die Lage immer weiter“, so Ott.

Dem Bundeselternrat ist die Aussicht auf Änderungen im nächsten Jahrzehnt daher auch nicht genug. „Die Kinder gehen doch nicht erst 2030 in die Schule, sondern jetzt. Wir brauchen schnellere Lösungen“, sagte der Vorsitzende Dirk Heyartz. „Wenn Familien in NRW aus den Ferien kommen, sind die Klassenräume aufgeheizt.“ Darin könnten junge Menschen einfach schlechter lernen und hätten echte Bildungsnachteile, selbst dann, wenn kein Unterricht ausfällt. Heyartz schloss eine generelle Forderung an: „Die Länder müssen mehr Tempo an den Tag legen bei der Anpassung der Schulräume an den Klimawandel.“

Der Präsident des Lehrerverbands NRW wiederum, Andreas Bartsch, ist skeptisch, dass es – Verhandlungen hin oder her – wirklich zu Neuregelungen kommt. „Man wird kaum Bewegung in das komplexe Konstrukt bringen, auf das wir uns jetzt geeinigt haben, weil man damit alle anderen, auch landestypischen, Ferienzeiten zur Disposition stellen würde wie die Pfingstferien oder die Skiwoche in den südlichen Bundesländern. Bei uns müsste man gegebenenfalls auch Oster- und Herbstferien anpassen“, sagte Bartsch. Seine Prognose: „Wir provozieren Streit und kommen am Ende keinen Zentimeter weiter.“ Solange die Kernzeiten der Ferien im Sommer liegen, findet er auch niemanden benachteiligt.

Einen organisatorischen Vorteil hat ein früherer Sommerferienstart für Familien von angehenden Erstklässlern. Da danach auch das neue Schuljahr entsprechend eher startet, müssen berufstätige Eltern zwischen dem Ende der Kita-Zeit und der Einschulung weniger Wochen ohne organisierte Betreuung überbrücken.