NRW: Schul-Politik bekommt Note 4 - Lehrermangel, Inklusion, Gewalt, Seiteneinsteiger

Lehrermangel, Inklusion, Gewalt : NRW-Schulpolitik bekommt Note 4 - das sind die Probleme

Lehrermangel, unqualifizierte Seiteneinsteiger und immer mehr Aufgaben - das sind die Hauptsorgen der Schulleiter in Nordrhein-Westfalen. Eine Befragung zeigt nun, dass sich die Probleme teils verschlimmern.

Bildung, Erziehung, Integration, Inklusion - die Schulen haben viele Aufgaben zu erfüllen. Schulleiter sehen sich vor immer mehr Probleme gestellt - zumal immer mehr Seiteneinsteiger ohne pädagogische Vorkenntnisse in den Unterricht springen. Wie aus einer repräsentativen Befragung für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) hervorgeht, haben sich die Probleme seit der Vorjahresstudie kaum verändert, teils sogar verschlechtert. Beim Schulleiterkongress in Düsseldorf kamen am Freitag besorgniserregende Befunde auf den Tisch.

  • Lehrermangel: 61 Prozent der befragten Schulleiter in NRW (2018: 64 Prozent) nannten Lehrermangel als größtes Problem. Bundesweit sagten dies mit 55 Prozent der über 1200 Studienteilnehmer (2018: 57 Prozent) deutlich weniger. An den Schulen, die aktuell mit Lehrermangel zu kämpfen haben, ist demnach in NRW im Schnitt jede zehnte Stelle unbesetzt, bundesweit jede neunte.
  • Inklusion und Integration: Gut jeder vierte Direktor landes- und bundesweit fühlt sich mit der Eingliederung behinderter und ausländischer Schüler überfordert - bei steigender Tendenz. Das Thema landete auf Platz zwei der Problemskala.
  • Belastung: Als größte Belastungsfaktoren in ihrem Alltag nannten die Schulchefs in NRW - ähnlich wie im Bund und wie bei der ersten Studie im Vorjahr - das stetig wachsende Aufgabenspektrum (91 Prozent), praxisferne Politikerentscheidungen (89 Prozent) und steigende Verwaltungsaufgaben (87 Prozent).
  • Seiteneinsteiger: Mehr als die Hälfte der Schulleiter in NRW gab an, bei ihnen seien Seiteneinsteiger ohne Lehramtsqualifikation beschäftigt. Das ist ein Ausreißer gegenüber dem Bundeswert, der mit 45 Prozent 13 Punkte niedriger liegt, und eine Zunahme gegenüber der NRW-Quote des Vorjahres von 53 auf 58 Prozent. VBE-Landeschef Stefan Behlau nannte den Befund erschreckend. „Die offenen Stellen im Schnellverfahren zu besetzen, ist keine Lösung.“ Nur an jeder vierten Schule in NRW (Bund: 31 Prozent), an der Seiteneinsteiger beschäftigt sind, hatten diese vor ihrem ersten Unterricht eine systematische, pädagogische Vorqualifizierung.
  • Gewalt: Jeder zehnte Schulleiter in NRW hat generell ein Problem mit dem Verhalten seiner Schüler (bundesweit: 12 Prozent). Geklagt wird über Defizite bei Disziplin und Lernwillen sowie über Verhaltensauffälligkeiten. Das Thema Gewalt nannte hingegen bundes- wie landesweit nur einer von 100 Befragten.
  • Empfehlung: Jeder sechste Schulleiter in NRW würde seinen Beruf „auf keinen Fall“ oder „wahrscheinlich nicht“ weiterempfehlen. Im Vorjahr sagte das erst jeder siebte. Bundesweit würde etwa jeder fünfte seinen Job nicht anpreisen wollen. Genauso viele würden das aber bundes- wie landesweit „auf jeden Fall“ tun. Dazwischen liegt die große Mehrheit, die die Frage nach der Empfehlung mit „wahrscheinlich“ beantwortete.
  • Motivation: Trotz allem sagen fast alle Schulleiter, sie übten ihren Beruf sehr gerne oder eher gerne aus. Vor allem von ihren Kollegen fühlen sie sich unterstützt. Vom Schulministerium sagten das bundesweit nur zehn, landesweit sogar nur sechs Prozent.
  • Gesundheit: Jeder dritte Schulleiter gab an, dass die Zahl der Lehrer, die aufgrund psychischer Erkrankungen langfristig ausfielen, in den vergangenen Jahren zugenommen habe; die meisten registrierten allerdings keine Veränderung.
  • Note: Die Gesamtbewertung der Schulpolitik in Noten landet bei „ausreichend“ - im Bund laut VBE bei 4 plus (3,7), in NRW glatt bei „ausreichend“ (3,9) und weist jeweils eine minimale Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um ein Zehntel aus.
(ubg/dpa)
Mehr von RP ONLINE