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NRW: Präsenzunterricht und Lockdown - Schulleiter kritisieren Gebauer

Offener Brief : NRW-Schulleiter kritisieren Gebauer

Ein Schulleiterverband wirft der Ministerin vor, ihr Weg zur Eindämmung von Corona ließe sich in Schulen nicht realistisch umsetzen. Ein Urteil schützt derweil Schul-Maskenmuffel.

Das von Yvonne Gebauer (FDP) geführte NRW-Schulministerium gerät wegen seiner Corona-Politik weiter unter Druck: Die Schulleitervereinigung NRW e.V., eine Organisation über alle Schulformen hinweg, kritisiert in einem offenen Brief scharf, dass das Ministerium sich beim Neustart der Schulen nach dem Lockdown zu wenig um die konkreten Bedingungen vor Ort gekümmert habe. Die Behörde habe unter anderem erst kurz vor den Sommerferien ein Programm angekündigt, das alle Schüler mit einem digitalen Endgerät ausstatten soll. Insgesamt habe man, so die Schulleiter, eher den Eindruck, einem schlecht geplanten Feldversuch zu unterliegen als gut organisierter Politik.

Obwohl der Verband klein ist, hat sein Schreiben ein breites Echo gefunden. „Da sehen wir den Frust vieler Schulleiter“, sagte Jochen Ott, stellvertretender Fraktionschef der SPD im Landtag. „Die Verzweiflung über die Praxisferne der Ministerin ist gewaltig“, ergänzte auch Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im NRW-Parlament.

Differenziert äußerte sich Sabine Mistler, Landesvorsitzende des Philologenverbandes, der viele Gymnasiallehrer vertritt. „Einige wichtige Dinge wie die Vorgaben zum Gesundheitsschutz hätten schneller kommen können“, sagte sie. Andererseits müssten die Kommunen mehr tun, damit die Schulen den Neustart schaffen: „Wenn Sanitäreinrichtungen defekt sind, liegt die Schuld nicht beim Kultusministerium, da müssen die Städte handeln“, sagte Mistler.

Das sieht auch Stefan Behlau so, NRW-Vorsitzender der Lehrerorganisation Verband Bildung und Erziehung (VBE). „In der Pandemiezeit holen uns Versäumnisse der Vergangenheit wie die zu langsame Digitalisierung ein.“ So sei das Online-System für die NRW-Schulen, Logineo, viel zu langsam modernisiert worden.

Die Staatskanzlei äußerte sich nicht zu dem an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gerichteten Schreiben; auf offene Briefe reagiere man grundsätzlich nicht.

Staatssekretär Mathias Richter (FDP) stellte sich vor Gebauer: Der Schulstart sei „gut gelungen“, die Entscheidung für einen „angepassten Schulbetrieb in Corona-Zeiten sei „genau die Richtige“ gewesen, weil 99 Prozent der Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen. Man habe eng mit den Lehrer- und Elternverbänden über das Vorgehen diskutiert, es gehe darum, die Gesundheit zu schützen und das Recht der Schüler auf Unterricht zu erfüllen.

Die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen in NRW und auch die zwei Direktorenvereinigungen der NRW-Gymnasiumsschulleiter (eine im Rheinland, eine in Westfalen) unterstützen Gebauer fast uneingeschränkt. Es sei richtig gewesen, den Präsenzunterricht wieder aufzunehmen, obwohl die Räume das Einhalten der Distanzregeln nicht erlauben. Der Brief spräche nicht für alle Rektoren.

Unterdessen hat die Ministerin bei der von ihr verordneten Maskenpflicht eine Pleite erlitten. Sie hatte angekündigt, Maskenverweigerer vom Unterricht auszuschließen. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf stellte nun jedoch bei zwei Schülern vom Niederhein fest, dass deren pauschaler Ausschluss vom Unterricht wegen Verweigerung einer Maske rechtswidrig sei. Das Gericht lehnte aber auch ab, die Schüler von der Maskenpflicht freizustellen. Es ließ die Option offen, einen zeitweisen Schulausschluss zu verhängen, der „hinreichend zu begründen“ sei.