NRW ordnet Lehrer an Grundschulen ab

Lehrermangel in NRW : 578 Lehrer an Grundschulen abgeordnet

In NRW ist fast jede dritte Lehrerstelle an Grundschulen unbesetzt. Um den Mangel zu bekämpfen, werden Lehrer anderer Schulformen dorthin abgeordnet. Dass sie dafür noch einmal eine Prüfung ablegen müssen, empfinden manche als ungerecht.

In NRW sind zurzeit 578 Lehrer anderer Schulformen an  Grundschulen abgeordnet, um den Lehrermangel zu bekämpfen. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hervor. Die weitaus meisten der abgeordneten Lehrer (493) waren zuvor an Förderschulen beschäftigt, die im Zuge der Inklusion geschlossen wurden. Unfair und überflüssig aus Sicht der SPD ist dabei, dass sie trotz teils langer Berufserfahrung eine Lehrbefähigung für die Grundschule in Form einer Prüfung mit Bestnote nachweisen müssten, um auf Dauer an den Grundschulen bleiben zu können. Quereinsteiger hingegen müssten das nicht, kritisieren die schulpolitischen Sprecher der SPD, Jochen Ott und Eva-Maria Voigt-Küppers.

In NRW ist der Lehrermangel an den Grundschulen besonders groß. Etwa jede dritte Stelle war zu Beginn des Jahres unbesetzt. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) steuert mit verschiedenen Maßnahmen gegen. So werden bereits pensionierte Lehrer in den Schuldienst zurückgeholt oder arbeitslose Sekundarstufe-I-Lehrer mit der späteren Aussicht auf eine feste Stelle an einer weiterführenden Schule vorübergehend an die Grundschulen geholt.

In der Antwort des Schulministeriums heißt es, die ehemaligen Lehrer der Förderschulen würden an den Grundschulen vor allem für den inklusiven Unterricht eingesetzt. Zudem prüfe das Schulministerium für vormalige Sekundarstufe-II-Lehrer, ob sie künftig leichter die Lehramtsbefähigung für  Grundschulen erlangen können.

Der Mangel an Lehrern zieht sich durch alle Hierarchiestufen und Schulformen. Jede neunte Schule in NRW hat keinen regulären Leiter, wie das Schulministerium auf dpa-Anfrage mitteilte. Damit fehlen an den knapp 5000 Schulen im Land 535 Leiter. In den Vorjahren war es noch jede siebte Schule. Binnen eines Jahres seien 170 Leitungsstellen besetzt worden, teilte das Schulministerium mit.

Anfang 2017 war die Besoldung der Grund- und Hauptschulrektoren auf A 14 erhöht worden. Konrektoren erhalten mittlerweile A 13 mit Zulage. Zudem ist die Leitungszeit schrittweise auf mindestens neun Wochenstunden erhöht worden. Die meisten Schulleiter fehlen an Hauptschulen, wo nur 78 Prozent der Stellen besetzt sind. Die beste Quote weisen die Gymnasien mit 95 Prozent auf.

(kib)
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