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Schulpolitik: NRW nimmt kranke Lehrer ins Visier

Schulpolitik : NRW nimmt kranke Lehrer ins Visier

Der Landtag will die Krankmeldungen der 185.000 Lehrkräfte an den Schulen deutlich besser kontrollieren, um den hohen Krankenstand abzubauen. Bisher sind die genauen Zahlen unbekannt.

Die 5800 Schulen in NRW sollen Krankmeldungen digital an die vorgesetzten Behörden melden, damit schneller und zuverlässiger bekannt wird, welche Lehrer häufig ausfallen. Ihnen sollen Gespräche angeboten werden. Die entsprechende grundsätzliche Verordnung dafür hat der Landtag bereits trotz Skepsis einiger Lehrergewerkschaften wie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) oder des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) beschlossen. Jetzt will das Land mit den Personalräten über die Details des riesigen Projektes sprechen.

Die Landesregierung wird dann erstmals dem Landtag berichten können, wie hoch der Krankenstand an den Schulen des Landes wirklich ist. Dabei sollen die Daten nach Schularten aufgegliedert werden - es wird aber keine Aufstellung des Krankenstandes nach Städten oder einzelnen Schulen geben. Wohin die Reise geht, zeigt eine schon am 18. August versandte Verfügung der Bezirksregierung Düsseldorf, die wegen der künftig umfassenderen Vorgabe des Landes aber wohl nur für eine Übergangszeit gelten soll. Demnach sollen die Schulleiter aller öffentlichen Schulen der Region für jeden Lehrer ein "Fehltageblatt" anlegen, in dem sie auf einem Computer die Ausfallzeiten erfassen. Jeder Lehrer, der an einem Stück oder innerhalb eines Jahres sechs Wochen wegen Krankmeldung ausgefallen ist, muss gemeldet werden.

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Die Krankmeldungen kamen bislang manchmal nur in die Personalakte. Jetzt wird stärker angestrebt, dass Lehrern mit vielen Fehlstunden so schnell wie möglich ein Gespräch vorgeschlagen wird. Ziel ist dabei, dass mit den betroffenen Pädagogen offen darüber gesprochen wird, ob sie bestimmte Probleme haben, ob sie Unterstützung oder sogar eine Kur brauchen, oder ob es vielleicht besser wäre, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Damit soll auch verhindert werden, dass Lehrer sich häufig nach Jahren des "Burn-out", also der Überforderung, schon mit Ende 50 dauerhaft als dienstunfähig melden.

"Wir nehmen das gesetzliche Ziel einer besseren Wiedereingliederung kranker Kollegen ernst", sagt Barbara Löcherbach, Sprecherin des Düsseldorfer Schulministeriums.

"Das Vorgehen des Landes ist überfällig und ähnelt dem vieler großer Unternehmen im Rheinland", sagt Rosemarie Bender, Expertin für Gesundheitsmanagement bei der Beratungsfirma Personal-Transfair aus Hürth. "Je älter wir als Gesamtbevölkerung werden, umso wichtiger ist, dass Mitarbeiter ihre Leistungsfähigkeit erhalten."

Wie teuer die vielen Frühpensionierungen gerade in den Schulen sind, zeigt ein Rechenbeispiel: Wenn nur 10 000 Lehrer in NRW einige Jahre vorzeitig in Pension gehen, müssen darum gleich viele Ersatzkräfte eingestellt werden. Bei einem grob geschätzten Durchschnittsgehalt von 40 000 Euro im Jahr für junge Lehrer, kostet dies also 400 Millionen Euro jaährlich - es lohnt sich also, mit besserem Gesundheitsmanagement Frühpensionierungen soweit wie möglich zu verhindern.

Gewollter Nebeneffekt der neuen Datenkontrolle: Lehrer mit Tendenz zum "Blaumachen" sollen sich stärker beobachtet fühlen. Allerdings berichten die Verbände, dass die Lehrerkollegien oft schon selber dafür sorgten, dass mögliche Problemkollegen vor zu häufigem Krankmelden zurückschreckten. "Ich höre eher von Lehrern, die angeschlagen in die Schule kommen als von angeblichen Blaumachern", sagt Brigitte Balbach, Chefin des Verbandes Lehrer NRW. "Der Druck in den Kollegien ist groß."

(RP)