NRW: Flüchtlinge sollen schneller einen Job bekommen

NRW : Junge Flüchtlinge sollen schneller in Lehre und Job

NRW-Arbeitsminister Schneider will junge Asylbewerber leichter in Lehrstellen bringen. Talentscouts der Arbeitsagenturen bieten künftig Zuwanderern mehr Perspektiven für Jobs. Ziel: leichtere Integration.

Junge Asylbewerber sollen leichter in Ausbildungsverhältnisse gelangen und Studienplätze bekommen. Dafür hat sich NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) am Montag in einem WDR-Interview ausgesprochen. Allein steht er damit nicht: Auch die Arbeitsagentur in NRW will Zuwanderer flächendeckend in Arbeit bringen, wie die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ) berichtet. Arbeitgeber- und Handwerksverbände fordern zudem, dass gesetzliche Hürden für flexible und motivierte Flüchtlinge auf Jobsuche vereinfacht werden.

Hintergrund ist, dass in vielen Branchen ein Mangel an Fachkräften und Auszubildenden herrscht. Die Talentscouts der Arbeitsagentur sollen an 30 Standorten in NRW dabei helfen, Flüchtlinge sprachlich zu fördern und für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, um ihnen individuelle Berufsperspektiven zu bieten. Sie stellen zudem Kontakte zu Arbeitgebern her. In Düsseldorf, Dortmund und Herford wolle die Agentur zudem "Integrationscenter" testen, in denen die Talentscouts mit Ausländerbehörden und Wohlfahrtsverbänden eng zusammenarbeiten, sagte die NRW-Agenturchefin Christiane Schönefeld der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung (NRZ)(Dienstag).

Das Potenzial junger Flüchtlinge werde bislang kaum genutzt, weil zu viele Bedingungen an ihren Aufenthalt in Deutschland geknüpft seien, bemängelte ein Sprecher der Handwerkskammer Düsseldorf am Montag auf dpa-Anfrage. "Wir brauchen eine deutlich vereinfachte Handhabe der bisherigen rechtlichen Situation." Für Asylbewerber gilt vor allem die "Vorrangprüfung" als Hürde bei der Jobsuche. Dabei wird ermittelt, ob sich nicht auch ein geeigneter Bewerber mit deutschem oder EU-Pass für die jeweilige Stelle findet.

Die Handwerkskammer Düsseldorf will grundsätzlich Asylbewerber als Zielgruppe für den Arbeitsmarkt binden. "Seit es immer weniger Hauptschulen als Nachwuchsschmieden gibt, können viele Betriebe nur schwer Lehrstellen besetzen", sagte der Sprecher. Flüchtlinge, die in Deutschland als Arbeitskräfte gebraucht würden, bräuchten unabhängig vom Ausgang ihres Asylverfahrens ein Bleiberecht in der Ausbildung, forderte die FDP-Landtagsfraktion in NRW.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte verlangt, dass junge Asylbewerber in der Ausbildung schon nach 15 Monaten finanziell unterstützt würden, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten. Bisher sei das erst nach vier Jahren in Deutschland möglich.

Wie ein Talentscout aus Köln Flüchtlingen hilft, lesen Sie hier.

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(lnw)
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