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NRW-FDP will Meister und Master gleichsetzen​

Fachkräftemangel im Handwerk : Meister = Master

Nach Plänen der FDP soll die Landesverfassung um einen Passus ergänzt werden, wonach das Land hochschulische und berufliche Bildung gleichermaßen fördert. Grund ist die Sorge, dass wegen fehlender Fachkräfte de Energiewende gefährdet werden könnte.

Die Liberalen in NRW machen kurz vor der Landtagswahl Vorschläge, um den Fachkräftemangel insbesondere im Handwerk in den Griff zu bekommen. In einem Aktionsplan, der unserer Redaktion vorliegt, fordern die FDP-Minister Joachim Stamp (Familie und Integration) und Andreas Pinkwart (Wirtschaft) unter anderem, die Gleichbehandlung akademischer und beruflicher Bildung müsse in die Landesverfassung aufgenommen werden. So könne sie zum Staatsauftrag gemacht werden. Artikel 16 soll um folgenden Absatz ergänzt werden: „Das Land soll darauf hinwirken, dass die hochschulische und die berufliche Bildung eine gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung finden und stärker durchlässig werden.“ Vorbild sei die Schweiz.

Hintergrund der Forderung ist die Sorge, dass die Herausforderungen der Energiewende am Fachkräftemängel scheitern könnten. In NRW müssten in den kommenden Jahren Millionen Heizungsanlagen modernisiert oder ausgetauscht werden, Hunderttausende Solaranlagen installiert und ebenso viele Wohnhäuser energetisch saniert oder gebaut werden, schreiben die FDP-Politiker. „Nie gab es mehr zu tun, und nie waren die Wachstums- und Entwicklungschancen für das Handwerk besser.“ Das Handwerk selbst gehe aktuell von einer Größenordnung von 65.000 fehlenden Fachkräften aus – mit Blick auf die Klimaschutzziele könnte der Bedarf auch in einer sechsstelligen Größenordnung liegen, schreiben die Minister.

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Zudem machen sie Vorschläge zu einer besseren Durchlässigkeit beider Welten: Absolventen einer Berufsausbildung mit dem Abschluss „Bachelor Professional“ sollen mit zwei zusätzlichen Semestern in theo­retischen Grundlagen und wissenschaftlichem Arbeiten den Zugang zum Masterprogramm erhalten. Andersherum sollen Bachelor- Absolventen einer Hochschule nach einer zusätzlichen, kompakten Berufsbildungszeit einen Berufsabschluss erlangen können.

Parallel zum Meisterabschluss im Handwerk sollen Abschlüsse der Höheren Berufsbildung durch die Industrie- und Handelskammern wie der Fachwirt als Master-Professional-Abschluss mit einem akademischen Masterprogramm ebenfalls wechselseitig verknüpft werden. „Hauptansprechpartner für die Wirtschaft sollen hierbei insbesondere die Hochschulen für angewandte Forschung sein“, schlagen Pinkwart und Stamp vor.

Schon im schulischen Bereich wollen sie ansetzen. Neben einer besseren Berufsvorbereitung fordern sie massive Investitionen in die Haupt-, Real- und Sekundarschulen. Damit solle eine Aufstockung von Personal und moderner Ausstattung erreicht werden. Analog zur Fernuniversität wollen sie ein erstes rein digitales Fernausbildungszentrum gründen. „Der berufsschulische Teil der Ausbildung soll so ortsunabhängig absolviert werden können. Damit können für Auszubildende im ländlichen Raum lange Fahrtwege gespart werden.“ Wo Präsenz unabdingbar ist, soll der Ausbau preisgünstiger Azubi-Wohnheimplätze durch öffentliche Förderung für die Modernisierung und den Neubau von Wohnheimen forciert werden.