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NRW-Besoldung: Beamtenrechner 17 Tage blockiert

Nachzahlung für 250.000 Bedienstete : Beamtenrechner 17 Tage blockiert

Die Nachzahlung des Gehalts für 250.000 Beamte wird zum Riesenprojekt. 17 Tage lang können keine Eingaben in das zentrale Rechensystem für Besoldung gemacht werden, weil das System und die Mitarbeiter dann mit dem Berechnen der Gehaltsnachzahlung beschäftigt sind.

Am 1. Juli musste Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) eine der größten Niederlagen seines Politikerlebens hinnehmen: Das Landesverfassungsgericht NRW kippte die Entscheidung der Landesregierung, höheren Beamten ab der Besoldungsstufe A11 eine Erhöhung der Besoldung für zwei Jahre zu verweigern. Das sollte 700 Millionen Euro an dauerhafter Einsparung im Landeshaushalt bringen.

Ende November erhalten nun 250.000 Beamte dieser höheren Gehaltsstufen inklusive einiger zehntausend Pensionäre Nachzahlungen für die vergangenen zwei Jahre.

In einer internen Mail an alle Schulen führt das Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV) nun aus, welche Folgen die mit den Gewerkschaften vereinbarte Nachzahlung in Höhe von insgesamt 430 Millionen Euro hat.

Danach können 17 Tage lang keine Eingaben in das zentrale Rechensystem für Besoldung gemacht werden, weil das System und die Mitarbeiter dann mit dem Berechnen der Gehaltsnachzahlung beschäftigt sein werden. "Gemachte Überstunden oder eine Änderung der Familienverhältnisse werden wir zwei Wochen nicht einpflegen", erklärt eine Sprecherin der LBV. Denn es müssten nicht nur für 280.000 Beamte und 176.000 Pensionäre die normalen Abrechnungen fertig gemacht werden, sondern auch noch die Arbeit für 250.000 Nachzahlungen inklusive fälliger Steuern.

Rekord Laut Aussage des Software-Riesen SAP handele es sich um "die weltweit größte Rückrechnung in einem derartigen System", die bisher vollzogen wurde. Allerdings macht die reine Rechenzeit der erst anderthalb Jahre alten Großcomputer von IBM nur einen Bruchteil des zeitlichen Aufwandes aus - viel aufwendiger ist das Vor- und Nachbereiten.

Außerdem muss das Land auch ein gigantisches Druckvolumen meistern: Die 250.000 betroffenen Mitarbeiter erhalten Ende November fünf Blätter doppelseitig bedruckt, in denen für bis zu 19 Monate zurückliegend erläutert wird, welchen Zusatzbetrag es nun für welchen Monat gibt.

Es gibt zwar viel zu lesen, für die betroffenen Mitarbeiter aber auch viel an Zusatzverdienst. Nach Berechnung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) erhält ein Polizeihauptkommissar mit rund 15 Dienstjahren eine Einmalzahlung von 1169 Euro. Studienräte können sich auf fast 2000 Euro Nachschlag freuen. Zusätzlich erhalten sie ab Dezember höhere Monatsgehälter: Das liegt bei einem Polizeihauptkommissar beispielsweise bei 89 Euro mehr hin zu einem Monatsgehalt von 3328 Euro, bei einem Studienrat von 195 Euro mehr hin zu einem Monatssalär von 4583 Euro.

Berechnung Einige Berufsverbände haben Tabellen zu den Gehaltsnachzahlungen veröffentlicht. Der Mathematiklehrer Jörg Masuch und sein pensionierter Fachkollege Werner Siepe haben einen Rechner zur Gehaltsnachrechnung unter www.joerg-masuch.de online gestellt. Rainer Hengst, stellvertretender NRW-Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, lobt das Programm gegenüber unserer Redaktion.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kraft verkündigt Lösung im Besoldungsstreit

(RP)