1. NRW
  2. Landespolitik

NRW / Bergisch Gladbach: Täter tauschen Tipps zum sexuellen Kindesmissbrauch im Netz aus

Pädosexuelles Netzwerk in NRW : Täter tauschen Tipps zum Kindesmissbrauch im Netz aus

Mindestens 30.000 Spuren unbekannter Täter geht eine neue Task Force der Landesregierung im Fall von sexuellen Kindesmissbrauch nach. Ziel ist es, die Pseudonyme zu entschlüsseln, um die Täter zu identifizieren.

Angesichts der hohen Zahl von Verdachtsfällen beim Kindesmissbrauch hat die SPD-Opposition die Landesregierung aufgefordert, das Thema intensiv im Landtag aufzuarbeiten. „Der Justizminister hat bei einer Pressekonferenz zu den Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in Bergisch-Gladbach die schier unglaubliche Anzahl von 30.000 unbekannten Tatverdächtigen in den Raum gestellt. Bei derartigen Ausmaßen erscheint eine politische Erörterung am Rande des laufenden Tagesgeschäfts oder lediglich auf Pressekonferenzen absurd und wird den Interessen der Opfer in keinem Fall gerecht. Es bedarf einer angemessenen parlamentarischen Befassung“, erklärten die innenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Hartmut Ganzke und Sven Wolf. Die SPD-Fraktion erwarte, dass der Justizminister in der  Sondersitzung der Ausschüsse Innen, Recht und Familie am heutigen Dienstag zum Missbrauch in Münster auch zu den neuen Erkenntnissen Stellung nehme.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) räumte Versäumnisse ein: „Da haben wir viel zu lange nicht hingeschaut.“ Erschüttert zeigte er sich auch von der Selbstverständlichkeit, mit der praktiziert würden. Die neue Task Force der Landesregierung solle immer dann eingeschaltet werden, wenn es einen Bezug zum Internet gebe. Das sei fast immer der Fall, weil die Täter sich in Chatrooms oder per Messenger-Dienst austauschten, nicht nur im Darknet. „Manche dieser Gruppen haben mehrere tausend Nutzer. Es gibt Hierarchien und eine spezielle Rollenverteilung“, sagte Markus Hartmann, Leiter der Cybercrime-Zentralstelle NRW. Dort werde Videomaterial ausgetauscht, aber sogar auch Tipps, mit welchen Beruhigungsmitteln Kinder gefügig gemacht werden könnten, um sie möglichst widerstandslos zu vergewaltigen. Potenzielle Täter würden in den Foren gedrängt, den Missbrauch in die Tat umzusetzen. „Aus der Kommunikation im Netz heraus entwickeln sich die Taten sehr oft hin zu konkreten Verabredungen“, sagte Hartmann. Die Gruppen im Netz senkten die Hemmschwellen.

Ziel der Ermittler sei es, im Netz jeder einzelnen der rund 30.000 Spuren der unter Pseudonym agierenden Personen nachzugehen und möglichst viele zu identifizieren. „Das ist nur ein Schlaglicht – wir haben es noch mit deutlich mehr Verdachtsfällen zu tun“, sagte Hartmann. Es handele sich um eine internationale Szene mit Schwerpunkt in Deutschland.

Sechs Staatsanwälte werden abgestellt, um die Task Force zu betreuen. Biesenbach kritisierte, dass es noch immer keine Pflicht zur Speicherung und Herausgabe der Verbindungsdaten gebe.

( )