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NRW: Alle Grundschüler kehren im Mai an die Schulen zurück

Öffnung der Schulen : Alle NRW-Grundschüler kehren im Mai an die Schulen zurück

Die Schulministerin hat nun konkretisiert, wie sie sich die Rückkehr der Grundschüler vorstellt. Anders als zunächst geplant sollen doch alle vier Jahrgänge tageweise abwechselnd unterrichtet werden. Lehrer sehen sich alleingelassen.

In NRW kehren im Mai nun doch bereits alle vier Grundschuljahrgänge in die Schulen zurück. „Ab dem 11. Mai 2020 sollen in einem tageweise rollierenden System die Kinder aller Jahrgangsstufen wieder in ihre Schulen gehen können“, heißt es in der jüngsten Schulmail des Ministeriums, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

 Update: Am Abend relativierte Ministerpräsident Laschet die E-Mail. Auch der Staatssekretär im Schulministerium veröffentlichte eine Klarstellung. Mehr dazu lesen Sie hier.

Am 7. und 8. Mai 2020 hingegen soll zunächst nur Unterricht für Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen stattfinden. Die neue Regelung gelte für die Grundschulen, aber auch für die Primarstufen der Förderschulen.

Geplant sei, dass ab dem 11. Mai ein Jahrgang pro Werktag unterrichtet wird, nach einem festen Plan bis zu den Sommerferien, den jede Schule festlegen soll. An jedem Tag solle so viel Unterricht und Betreuung wie möglich stattfinden. Dabei soll die Notbetreuung fortgesetzt werden, wobei aber eine Durchmischung der Gruppen vermieden werden müsse. Zur Offenen Ganztagsschule hieß es, diese Art der Betreuung sei mit weitergehenden Fragestellungen wie etwa der Mittagsverpflegung verbunden, die mit den Kommunen und den Trägern noch zu klären seien.

Zuvor waren in NRW juristische Klagen gegen die bisher geplante Regelung der Kultusministerkonferenz bekannt geworden, wonach zunächst nur die Viertklässler beschult werden sollen. In Hessen hatten Kläger Recht bekommen, weil eine Beschulung allein der Viertklässler dem dortigen Verfassungsgerichtshof zufolge gegen den Gleichheitsgrundsatz verstößt.

Bei den übrigen Schulformen führt das Ministerium derzeit Gespräche mit Schulen, Schulleitungen und Schulträgern über die weitere schrittweise Rückkehr der Schüler. Vor einer Woche hatte bereits der Unterricht für die Schüler der Abschlussklassen wieder begonnen. Letzten Äußerungen der Schulministerin zufolge sollen frühestens ab dem 7. Mai auch jene Schüler wieder unterrichtet werden, die im kommenden Jahr Abschlüsse machen. Genauere Informationen dazu standen am Donnerstag noch aus.

Das Schulministerium erläuterte in der Mail an die Schulen weiter, dass die Grundschulklassen wegen des Infektionsschutzes zumeist halbiert werden müssten. Gleichzeitig könnten nicht alle Lehrer im Präsenzunterricht eingesetzt werden, weil sie zu einer Risikogruppe zählten: „Diese beiden Faktoren machen deutlich, dass eine Rückkehr zu einem ‚normalen‘ Unterricht in diesem Schuljahr nahezu auszuschließen ist.“

Ziel sei es aber, in den kommenden Wochen bis zu den Sommerferien allen Kindern aller Jahrgänge – auch denen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung – eine Rückkehr in einen regelmäßigen Präsenzunterricht zu ermöglichen. „Dies hat zur Folge, dass Unterricht mindestens an einem Tag in der Woche möglich sein muss“, heißt es in der Schulmail weiter. Allerdings handele es sich wegen des Wechselmodells nicht immer um denselben Wochentag. An den übrigen Tagen sollen die Schüler zu Hause lernen.

Ein „Schichtbetrieb“, bei dem an einem Tag unterschiedliche Schülergruppen verschiedener Jahrgänge zu unterschiedlichen Tageszeiten in die Schule kommen, soll nicht stattfinden. Der Präsenztag solle für die Kinder zusammen mit dem Ganztag als ganztägiges Angebot konzipiert werden. Bei der Pausengestaltung sollen die Schulen darauf achten, dass nicht alle Schüler zum gleichen Zeitpunkt in die Pause gehen.

Die Verantwortung für die kurzfristige Ankündigung sieht Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auch in einem geänderten Zeitplan auf Bundesebene: Auch sie selbst wisse erst seit dieser Woche, dass sich aus dem für den heutigen 30. April 2020 angesetzten Treffen der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder keine neuen Beschlüsse zu den Schulen ergeben sollten. Diese seien auf den 6. Mai verschoben worden.

Bei Betroffenen stieß die neue Ankündigung zum Teil auf massive Kritik. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Maike Finnern begrüßte, dass die Landesregierung nun anerkenne, dass bis zum Herbst kein normaler Schulbetrieb mehr möglich sei. „Das Mantra des Ministerpräsidenten von der Rückkehr zur verantwortungsvollen Normalität erweist sich als Schall und Rauch.“ Die Einsicht in die Realitäten komme aber zu spät. „Was den Schulen jetzt zugemutet wird, ist ein organisatorischer Parforceritt mit enormen Belastungen für die Schulleitungen und ihre Kollegien.“ Finnern rechnete vor, dass mit diesem Wechselmodell in den acht Wochen bis zu den Sommerferien die Erst- bis Drittklässler nur ganze sieben Tage Unterricht in der Schule haben.

 Update: Am Abend relativierte Ministerpräsident Laschet die E-Mail. Auch der Staatssekretär im Schulministerium veröffentlichte eine Klarstellung. Mehr dazu lesen Sie hier.

Der Lehrerverband VBE in NRW sieht die Schulleiter vor einer Mammutaufgabe und vermisst konkrete Vorgaben in der Mail der Ministerin: „Es kann nicht sein, den Schulen die alleinige Verantwortung zuzuschieben, wie viele Unterrichtsstunden sie pro Tag anbieten können“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Anne Deimel. Es sei dringend geboten, die maximale Anzahl von Stunden, z.B. vier Stunden, vorzugeben. „Die Schulen benötigen ihre personellen Ressourcen auch weiterhin dringend für die Notbetreuung“, so Deimel.

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(kib)