Debatte in NRW um Änderungen Das Abitur muss überall gleich viel wert sein

Meinung | Düsseldorf · Die Diskussion um mögliche Änderungen am NRW-Abitur macht direkt nervös: Sind Schülern fünf Prüfungsfächer zuzumuten? Wie sollten Lehrkräfte „besondere Lernleistungen“ bewerten? Warum es richtig ist, darüber nachzudenken.

 Schüler schreiben eine Prüfung beim Abitur. (Symbolbild)

Schüler schreiben eine Prüfung beim Abitur. (Symbolbild)

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Ein fünftes Prüfungsfach ist im Gespräch, über alternative Prüfungsformen und „Lernleistungen“ wird debattiert: Es gibt Ideen für Änderungen am NRW-Abitur. Das macht direkt nervös. Erstens, weil das Abitur eine Institution von Wert und Ruf ist. Man will nicht, dass daran herumexperimentiert wird. Zweitens, weil das Schulsystem ohnehin völlig überlastet ist. Bloß keine Änderungen, wenn es nicht unbedingt nötig ist, möchte man rufen. Bloß keine neuen Anforderungen an Lehrkräfte! Bloß nichts, was neben all den deprimierenden Bildungsstudien noch mehr Unruhe ins System bringt.

Aber hier geht es um Diskussionen, die einfach nicht vermeidbar sind – und die vernünftigerweise geführt werden müssen. Grundlage für alles ist eine Vereinbarung der Bildungsminister der Bundesländer, getragen von dem Wunsch, dass die gymnasiale Oberstufe und das Abitur in ganz Deutschland möglichst vergleichbar gestaltet werden. Der Verdacht, dass ein Einser-Abi in einem Bundesland weniger wert wäre als in einem anderen, ist ein Ärgernis. Standards und Prüfungsaufgaben werden immer weiter vereinheitlicht, um dagegen anzuwirken. Natürlich ist es sinnvoll, regelmäßig zu überlegen, welche Änderungen in welchem Land außerdem für Verbesserungen sorgen könnten.

Außerdem ist es bei keiner Institution gut, wenn sie stagniert, während die Welt sich weiterdreht. Junge Menschen brauchen für die Hochschulreife heute andere Kompetenzen als vor 20 Jahren, und in kommenden Jahrzehnten werden es wieder andere sein. Der Unterricht, die gymnasiale Oberstufe und somit auch das Abitur müssen sich ebenso weiterentwickeln.

Ob das Abitur durch Anpassungen leichter würde, weil Schüler sich beispielsweise bei fünf Prüfungsfächern für ihre Noten thematisch breiter aufstellen können, oder ob es schwieriger würde, weil sie sich um ein Fach mehr kümmern müssten, ist nicht gesagt. Dafür käme es auf die Ausgestaltung im Detail an. Neue Möglichkeiten ins Auge zu fassen, ist unbequem, aber richtig.

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