Nach Landtagswahl-Debakel: NRW-Grüne halbieren ihren Landesvorstand

Nur noch acht Mitglieder: NRW-Grüne halbieren ihren Landesvorstand

Als Reaktion auf das Debakel bei der Landtagswahl in NRW bauen die Grünen ihre Führungsspitze um. Der Vorstand soll sich verkleinern. Der Landesparteitag am 20. Januar soll darüber abstimmen.

Die nordrhein-westfälischen Grünen planen einen umfangreichen personellen und organisatorischen Wechsel. Der größte Landesverband der Partei will sich von mehr als der Hälfte seines Vorstands trennen. "Wir wollen den Landesvorstand der Grünen von bislang 20 auf künftig acht Mitglieder verkleinern", kündigte die Landesvorsitzende Mona Neubaur an.

Der Landesparteitag soll am 20. Januar über einen entsprechenden Antrag abstimmen; die Zustimmung gilt als sicher. Dem Antrag, den der Landesvorstand selbst einbringen wird, gingen Querelen in dem Führungsgremium voraus. Ein Teil der Betroffenen war nach Informationen unserer Redaktion strikt gegen die Verkleinerung, weil ein achtköpfiger Vorstand die Vielfalt der Regionen in Nordrhein-Westfalen nicht mehr ausreichend repräsentiere.

Letztlich setzte sich die Landesvorsitzende Neubaur aber mit ihrem Vorschlag durch und erwirkte "zwar keinen einstimmigen, aber einen deutlichen Mehrheitsbeschluss für den Antrag", wie aus dem Umfeld des Vorstands berichtet wurde.

Nachfolger für Sven Lehmann

Der Landesparteitag wird außerdem den Nachfolger für Co-Landeschef Sven Lehmann wählen, der in den Bundestag gewechselt ist. Dabei zeichnet sich eine Kampfkandidatur zwischen dem Duisburger Felix Banaszak und dem Bochumer Wolfgang Rettich ab.

  • Grüne geben Tempo vor

Im Mai 2017 waren die Grünen bei der Landtagswahl auf 6,4 Prozent abgestürzt. Die vorherige Regierungspartei wurde kleinste Oppositionspartei im Landtag. "Von der Verkleinerung des Vorstands versprechen wir uns schnellere Entscheidungen und klarere Zuständigkeiten", so Neubaur.

Umweltschutz und Kohleausstieg

Dem Antrag zufolge sollen dem Vorstand wie bislang vier hauptamtliche Politiker angehören: neben den beiden Vorsitzenden ein Landesschatzmeister und ein Politischer Geschäftsführer. Von den bislang 16 ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern, aus denen künftig vier werden, soll weiterhin je die Hälfte männlich und weiblich sein.

"Eine Idee könnte sein, dass die vier ehrenamtlichen Vorstände jeweils eine Patenschaft für die Kernthemen übernehmen, mit denen wir 2018 unser Profil schärfen wollen", erklärte Neubaur. Denn die Aufarbeitung der Krise habe gezeigt, dass die Grünen sich zuletzt mit einem Themen-Sammelsurium verzettelt hätten. Als Oppositionspartei will die Partei sich jetzt auf die Themen Umweltschutz, "offene Gesellschaft", Gerechtigkeit und Kohleausstieg konzentrieren.

(tor)