Doppelter Abiturjahrgang kommt: Ministerin: NRW-Unis sind vorbereitet

Doppelter Abiturjahrgang kommt : Ministerin: NRW-Unis sind vorbereitet

Die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen sind nach Ansicht von Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) gut auf die Studienbewerber des doppelten Abiturjahrgangs vorbereitet. "Wir weiten die Kapazitäten aus, weil wir die zusätzlichen Studierenden auch aufnehmen wollen."

Das sagte sie am Montag bei einer Informationsveranstaltung für Studienanwärter in Bochum. Die Landesregierung rechnet mit 20 Prozent mehr Bewerbern an Universitäten und Fachhochschulen, weil 2013 Schüler nach acht und nach neun Schuljahren gleichzeitig ihr Abitur ablegen.

"Ich gehöre nicht zu den Einser-Kandidaten - mein Wunschfach kann ich wohl vergessen", sagt Angelina Nehring, Abiturientin aus Bochum. Weil es durch den doppelten Abiturjahrgang in diesem Jahr mehr Studienbewerber gibt, rückt ihr Traumstudium Psychologie in immer weitere Ferne. Das Fach ist traditionell ähnlich begehrt wie Medizin. Wütend und enttäuscht ist die 19-Jährige aber darüber, dass auch ihr Plan B immer unwahrscheinlicher zu werden scheint: Auch bei Fächern wie Soziale Arbeit oder Pädagogik droht der Numerus clausus in die Höhe zu schnellen.

Zulassungsbeschränkungen an Hochschulen sind nur eines der Schreckgespenster, die Schüler und Eltern am Montag zum Informationsabend mit der NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) und Hochschulvertretern an die Bochumer Hochschule gelockt haben. Kann ich an meinem Wunschort bleiben oder sollte ich besser in den Niederlanden studieren? Und wenn ich einen Studienplatz ergattert habe, bleibt mir dann nur eine Nische im überfüllten Hörsaal?

Schulze: Wir sind vorbereitet

Schulze ist gekommen, weil sie Eltern und Schüler beruhigen will. Die klare Botschaft: Die Landesregierung hat Vorsorge getroffen, Personal an den Hochschulen aufgestockt, Lehrer eingestellt, Fachhochschulen ausgebaut. "Wir haben zehn Milliarden Euro investiert allein um Mehrkapazitäten für den doppelten Abiturjahrgang zu schaffen", betont sie. Doppelter Abijahrgang heiße keineswegs doppelte Anzahl von Studienanfängern. Laut Prognose des Ministeriums kommen auf NRW rund 123.000 Studienanfänger zu - 42.000 von ihnen gehen auf das Konto des doppelten Abiturjahrgangs.

Losgetreten hat die Diskussion ein Brief von Bochumer Schuldirektoren an Schulzes Ministerium. Von "Verunsicherung" und "Resignation" bei den Schülern ist die Rede. Die große Sorge der Schulleiter: Hochschulen schotten sich immer stärker ab. Auch der Philologenverband schlägt seit Monaten Alarm: "Wenn tausende junge Leute in der Warteschleife hängen, fragen sie sich doch zurecht, warum haben wir mit dem verkürzten Abitur so gesputet, wenn wir jetzt ausgebremst werden?" sagt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Verbands.

Schulze hält das für "Panikmache" - Numerus clausus heiße nicht, dass es weniger Plätze gebe, die Unis dicht machten. Die Kapazitäten in vielen Fächern, darunter auch Medizin seien im Gegenteil erweitert worden. Um die Qualität der Studiengänge hochzuhalten, könnten jedoch nicht unbegrenzt Bewerber aufgenommen werden, so Schulze. Die anwesenden Rektoren verteidigen die Zulassungsbeschränkung als notwendiges Verteilungsinstrument, um die Bewerbung zu organisieren. In Nachrückverfahren hätten auch Anwärter mit schlechteren Abitur-Durchschnitten eine Chance, machen sie Mut.

"NRW ist verhältnismäßig gut vorbereitet, weil schon frühzeitig und systematisch in den Bau neuer Hochschulen investiert worden ist und neue Fachhochschulen gegründet wurden", bestätigt auch Thimo von Struckrad vom Centrum für Hochschulentwicklung. In Boomfächern helfe das jedoch wenig. "Was jetzt schon überlaufen ist, bleibt es auch."

Schlechte Chancen also für Angelina Nehring mit ihrem Psychologie-Studienwunsch: "Zur Not heißt das dann erstmal jobben gehen", sagt sie schulterzuckend.

(lnw/felt)
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