Kommentar Michael Groschek wird zum Brücken-Minister

Düsseldorf · Weil Lieder, die um Harmonie werben ("Ein Lied kann eine Brücke sein", Joy Fleming) oft nur mäßig erfolgreich sind (Grand Prix 1975: Platz 17), stimmt Michael Groschek (SPD) lieber die düsteren Töne aus Fontanes "Die Brück' am Tay" an.

 Michael Groschek legte eine Liste vor, die empfahl, dass 49 Brücken in NRW abgerissen werden müssten.

Michael Groschek legte eine Liste vor, die empfahl, dass 49 Brücken in NRW abgerissen werden müssten.

Foto: dpa, Daniel Naupold

Nahezu im Wochentakt verkündet der NRW-Verkehrsminister: "Tand, Tand / Ist das Gebilde von Menschenhand!" Als Groschek jüngst aufzählte, 375 der 6000 Fernstraßen-Brücken in NRW seien sanierungsbedürftig, warf ihm die CDU Übertreibung vor. Und wie zur Bestätigung der Oppositions-Kritik dürfen seit Sonntag wieder Lkw bis 44 Tonnen in Leverkusen auf der A 1 über die laut Groschek kaputteste Autobahnbrücke Deutschlands fahren.

Nun legt der Minister nach: Von wegen "Über sieben Brücken musst du geh'n" (Karat, Peter Maffay) — mindestens "49 Brücken muss das Land abreißen" (Groschek). Mit dem Thema hat Groschek seine persönliche "Bridge over Troubled Water" (Simon & Garfunkel) gefunden.

Nur kann seine Balladen-Brücke über das unruhige Wasser der NRW-Verkehrspolitik nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land selbst zu wenig Geld in die Hand nimmt und am Ende vom Lied keinen Masterplan hat, die Infrastruktur von NRW zu reparieren.

(sap)
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