Berlin oder Düsseldorf?: Merkel will mit Röttgen reden

Berlin oder Düsseldorf? : Merkel will mit Röttgen reden

Der Druck auf Norbert Röttgen wächst. In der Union mehren sich die Forderungen an den nordrhein-westfälischen CDU-Spitzenkandidaten und Bundesumweltminister, sich voll und ganz der Aufgabe im Land zu verschreiben. Kanzlerin Merkel will mit Röttgen ein Gespräch führen.

Bislang hat Röttgen alle Bedenken beiseite gewischt. Oppositionsführer in NRW - darüber will Röttgen gar nicht erst reden. Er trete an, um Ministerpräsident zu werden. Die Doppelbelastung Berlin-Düsseldorf lasse sich über einige Wochen gut organisieren. Vor allem SPD und Grüne hatten den CDU-Politiker bislang deswegen angegriffen und signalisiert, da sei einer nicht mit ganzem Herzen bei der Sache.

Doch am Donnerstagabend nahmen auch die Ratschläge aus eigenen Reihen an Schärfe zu. An die Spitze setzte sich dabei CSU-Chef Horst Seehofer. "Wenn ich mich einer Aufgabe verschreibe, dann ohne Rückfahrkarte", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung". Und weiter: "Ich bin der Meinung - voll für NRW."

Merkel hält sich bedeckt

Unterstützung erhielt Seehofer wenig später durch weitere Partei-Prominenz. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) riet Röttgen in der "Saarbrücker Zeitung" (Samstagsausgabe), sich die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner zum Vorbild zu nehmen. Klöckner hatte als CDU-Spitzenkandidatin in Mainz ihr Amt als parlamentarische Staatssekretärin in Berlin aufgegeben.

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte bislang eine öffentliche Stellungnahme zu den Forderungen an Röttgen ab. Röttgen sei Spitzenkandidat der CDU in NRW, sagte Merkel in München. "Wie er diese Rolle am allerbesten ausfüllen kann, werde ich mit ihm selber besprechen."

"Neunmalkluge Ratschläge"

Der münsterländische CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn verbat sich die Einmischung von Seehofer in den NRW-Wahlkampf. Röttgen kämpfe "mit vollem Einsatz um die Pole Position", sagte Spahn der Zeitung "Die Welt". "Da brauchen wir keine neunmalklugen Ratschläge aus dem Süden." Spahn fügte hinzu: "Wir mischen uns auch nicht in bayerische Wahlkämpfe ein, auch wenn es manchmal viel zu sagen gäbe.

Laut ZDF-Politbarometer kommt die SPD knapp zwei Monate vor der NRW-Wahl auf 37 Prozent und würde damit die CDU (34 Prozent) als stärkste Partei ablösen. Die Grünen liegen bei 13 Prozent. Nicht mehr im NRW-Landtag vertreten wären die FDP (zwei Prozent) und die Linke (vier Prozent). Die Piratenpartei hingegen könnte dagegen mit sechs Prozent erstmals ins Düsseldorfer Landesparlament einziehen.

Der am Donnerstagabend zum Spitzenkandidaten der Liberalen nominierte frühere FDP-Generalsekretär Christian Lindner nannte die NRW-Wahl im Deutschlandfunk eine "Richtungsentscheidung". Der Urnengang sei für die FDP "eine ganz entscheidende Wahl, und in diese Machtauseinandersetzung gehe ich mit vollem Engagement rein", kündigte Lindner an, der als Nachfolger von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auch Chef der NRW-FDP werden soll.

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(AFP)
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