NRW-Wissenschaftsministerin Schulze "Mehr Doktorarbeiten an Fachhochschulen"

(RP). Die rot-grüne Landesregierung will die Promotion an Fachhochschulen (FHs) stärken. Dazu sollen Hürden für FH-Absolventen gesenkt werden, einen Doktortitel zu erwerben. "Kluge Köpfe an den Fachhochschulen sollen wissen, dass sie dort auch ihre Doktorarbeit schreiben können und dass ihnen die wissenschaftliche Karriere offensteht", sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) unserer Redaktion. Bisher sei das oft nicht so, fügte Schulze hinzu: "Ich halte das für ein großes Problem."

 NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

Foto: dapd, dapd

Im Sommer 1971 wurden die ersten acht FHs in Nordrhein-Westfalen gegründet. Inzwischen gibt es 16 staatliche Fachhochschulen mit mehr als 100 000 Studenten; die jüngste ist die Ende 2009 gegründete Hochschule für Gesundheit in Bochum. Hinzu kommen sechs private Fachhochschulen.

Fachhochschulen haben grundsätzlich kein eigenes Promotionsrecht. Die Kultusminister haben allerdings bereits 2000 beschlossen, dass ein Master-Abschluss einer Fachhochschule grundsätzlich zur Promotion berechtigen soll. Das sei aber nur formal so, sagt Schulze: "Die freiwillige Kooperation wird von den Unis nicht genügend genutzt."

Die FH-Absolventen müssten erst eine Universität finden, die sie überhaupt promovieren lasse. "Immer wieder hören wir zum Beispiel, dass ihnen zusätzliche Auflagen für eine Promotion an der Universität gemacht werden, zum Beispiel eine bessere Note. Das kann nicht sein", kritisiert Schulze.

Ein eigenes FH-Promotionsrecht ist aber nach ihren Angaben nicht geplant: Davon habe der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder berät, mit guten Gründen abgeraten. Die Kooperation mit den Unis sei der richtige Weg: "Ich will aber nicht, dass die Fachhochschulen betteln gehen müssen." Die Zukunft liege in einer eigenen Profilbildung der Hochschulen.

Der Plan der Ministerin: Die Universitäten sollen im Hochschulgesetz verpflichtet werden, in ihre Promotionsordnung aufzunehmen, wie eine Zusammenarbeit mit den FHs aussehen kann. Schulze: "Die Fachhochschulen sollen vollwertige Partner werden. Ein Master-Abschluss an der FH muss genauso zur Promotion berechtigen wie ein Master von der Universität."

Das Argument, dass die Fachhochschulen ursprünglich nicht für die Grundlagenforschung gegründet wurden, sondern für praxisnahe Lehre, lässt Schulze dabei nicht gelten: "An vielen Fachhochschulen hat sich neben der guten Lehre auch eine hervorragende Forschung entwickelt. Und die meisten Erstsemester wissen doch noch gar nicht, ob sie später promovieren und vielleicht Wissenschaftler werden wollen.

Deshalb muss ein Fachhochschulstudium mehr als eine Option bieten können." Promotions-Zusammenarbeiten zwischen FHs und Universitäten sollten deshalb mit einem eigenen Programm gefördert werden.

(RP)
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