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Masken und Tests freiwillig - so sollen NRW-Schulen sich auf den Herbst vorbereiten

Masken und Tests freiwillig : So sollen Schulen sich auf den Corona-Herbst vorbereiten

Beim Corona-Konzept für den Schulstart setzt NRW auf guten Willen und verantwortliches Handeln. Masken und Tests – alles ist freiwillig. Und die Schulen sollen sich selbst überlegen, wie sie am besten durch eine Herbst-Welle kommen.

Die Schulen in NRW starten nach dem Ferien mit Corona-Empfehlungen ins neue Schuljahr. Wichtigster Punkt dabei: Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) empfiehlt das Maskentragen in Innenräumen. Eine Verpflichtung dazu gibt es aber nicht. Schulgemeinschaften sollten „individuelle Entscheidungen respektieren“, sagte die Ministerin am Donnerstag bei der Vorstellung des Konzeptes.

Am ersten Tag nach den Ferien sollen alle Schüler das Angebot bekommen, in den Klassen einen Corona-Schnelltest zu machen. Ansonsten sollte jeder, der engen Kontakt zu Infizierten hatte oder selbst Symptome hat, sich eigenständig zu Hause testen. Das Material dafür wird über die Schulen bereitgestellt. Im Schulalltag selbst wird nur noch offensichtlich Kranken ein Test angeboten. „In allen Fällen gilt: Ist der Test negativ, können die Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen beziehungsweise ihren Schulalltag fortsetzen“, erklärte Dorothee Feller.

Die Leitlinien setzen auf Einsicht, verantwortliches Handeln und Freiwilligkeit. Eine Maskenpflicht oder verbindliche Tests einzuführen, wäre allerdings durch das bundesweit gültige Infektionsschutzgesetz derzeit auch gar nicht abgedeckt. Über dieses wird im September in Berlin neu entschieden.

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Viel Freiheit sollen die Schulen auch dabei haben, wie sie sich auf eine mögliche Infektionswelle im Herbst vorbereiten. „Natürlich kann es sein, dass im Laufe der nächsten Wochen viele Lehrkräfte an Corona erkranken“, stellte Feller fest. Die Einrichtungen sollen entscheiden, womit sie dann zurechtkommen. Laut einem „Handlungskonzept Corona“, das die Ministerin den Schulen an die Hand gibt, können sie etwa Angebote zum Lernen auf Distanz machen, Schüler auf andere Lerngruppen verteilen oder Klassen temporär zusammenlegen, Eltern oder städtische Mitarbeiter könnten helfen: „Wir geben den Schulen möglichst viel Beinfreiheit“, so Feller. Einzige Maxime: „Die Schulen müssen offen bleiben, und die Stundentafel darf nicht angefasst werden.“

Ferner plant die Landesregierung ein Sonderprogramm, mit dem Kita- und Schulträger CO2-Messgeräte finanzieren können. Dafür plane man derzeit mit Kosten von rund 51,4 Millionen Euro. Das teilte Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) Donnerstag mit. Auch das bisherige Förderprogramm zur Beschaffung von Luftfiltern soll wieder aufgelegt werden.

Aus der Politik kamen wohlwollende Reaktionen auf den Kurs des Schulministeriums, auch von der Politischen Opposition im Landtag. Man begrüße sehr, dass auf „eigenverantwortliches Handeln aller Beteiligten und dezentrale Lösungen an den Schulen vor Ort“ gesetzt werde, hieß es von der FDP. Die SPD wiederum lobte die Empfehlung zum Maskentragen und das Testangebot zum Schulstart.

Harsche Kritik übte hingegen der Präsident des Lehrerverbandes NRW, Andreas Bartsch. „Mit diesen Empfehlungen sehe ich die Gefahr eines Kontrollverlustes“, sagt er. Allerdings sieht er dafür nicht die Landesregierung in der Verantwortung, sondern den Bund. „Das, was uns im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes überhaupt möglich ist, bringt uns keinen Schritt weiter“, so Bartsch. „Ich halte das, was der Bund hier macht, für eine absolute Katastrophe und unverantwortliche Politik.“

Nicht nur auf die Corona-Situation sollen die Schulen sehr individuell reagieren. Das Prinzip gilt auch, wenn es um Unterricht für die aus der Ukraine geflüchteten Kinder geht. Die größte Herausforderung sei es, Räume für sie bereitzustellen, erklärte Ministerin Feller. Weil aber sehr unsicher sei, wie viele junge Menschen an die Schulen kommen und wie lange sie bleiben, wolle sie nicht im Voraus Vorgaben dazu machen. „Wir schauen jetzt mal, wie viele kommen, und gucken dann spontan, wie wir Räumlichkeiten vor Ort schaffen werden“, erklärte Feller. Dazu stehe man in engem Austausch mit Schulträgern.

Außerdem berate man die Schulen dazu, wie sie am besten an zusätzliche Kräfte kämen, um akutem Personalmangel zu begegnen. Allerdings, so Feller, werde der Lehrermangel noch eine Daueraufgabe für die nächsten Jahre bleiben.