Lehrermangel: NRW plant die Umverteilung

Schulpolitik : NRW will Lehrer umverteilen

Fürs Gymnasium gibt es zu viele Bewerber, an Grund- und Realschulen bleibt fast die Hälfte der Stellen unbesetzt. Schulministerin Yvonne Gebauer macht Absolventen ein Angebot.

Nordrhein-Westfalen verstärkt seine Bemühungen, Gymnasiallehrer für den Unterricht an anderen Schulformen zu gewinnen. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) stellte einen Sechs-Punkte-Plan vor, mit dem der Lehrermangel bekämpft werden soll. Teil des Pakets ist ein Angebot an Lehrer, deren Lehrbefähigung auch für die Oberstufe gilt, für vier Jahre auf einer Stelle in der Sekundarstufe I zu unterrichten, also etwa an Haupt-, Real-, Sekundar- oder Gesamtschulen. Dafür soll ihnen zugesagt werden, dass sie nach vier Jahren an ein Gymnasium wechseln können.

Gebauer hat dafür nach eigenen Angaben 5000 Lehrer angeschrieben. Ein ähnliches Angebot hatte sie vergangenes Jahr bereits 2400 Lehrern gemacht, die sie für zwei Jahre Unterricht an einer Grundschule gewinnen wollte. 153 Lehrer sind bisher auf das Angebot eingegangen.

Hintergrund ist die ungünstige Verteilung der Lehrer in NRW: Während es für das Oberstufen-Lehramt, also für Gymnasien und Gesamtschulen, in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich 16.000 Absolventen zu viel gibt, fehlen an Grundschulen, in der Sekundarstufe I, an Berufskollegs und Förderschulen rund 15.000 Lehrer. Dieses Missverhältnis führt auch dazu, dass das Land 2018 bisher nur knapp zwei Drittel der 9623 offenen Stellen an Schulen besetzen konnte. Besonders schlecht sind die Quoten an Grund- und Realschulen (je 53 Prozent) und Förderschulen (42). An Gymnasien sind dagegen 89 Prozent der offenen Stellen besetzt worden. In den nächsten zehn Jahren sind nach Angaben des Ministeriums mehr als 78.000 Lehrerstellen neu zu besetzen.

„Wir müssen an vielen Stellschrauben drehen“, sagte Gebauer: „Den einen Schalter gibt es leider nicht.“ Sie sei aber zuversichtlich, auf diese Weise die Lage „Schritt für Schritt zu verbessern“. Die rot-grüne Vorgängerregierung habe „die Relevanz der Frage leider nicht erkannt und als Arbeitgeber ein Stück weit versagt“.

Teil des Pakets ist auch, dass Seiteneinsteiger leichter eingesetzt werden können. So sollen Master-Absolventen von Fachhochschulen zum Beispiel an Berufskollegs aushelfen. Außerdem will Gebauer Pensionäre überzeugen, ihren Ruhestand um bis zu drei Jahre hinauszuschieben. Wer das tut, erhält einen Besoldungszuschlag von zehn Prozent oder bessere Pensionsansprüche. Für Oberstufenlehrer an Gesamtschulen sollen 646 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Zur Frage, ob sie etwa Grundschullehrer gleich besolden will wie Einsteiger am Gymnasium, also nach der Stufe A 13, sagte Gebauer: „Die Beantwortung dieser Frage wird nicht allein die Lücke schließen.“

Vor allem an diesem Punkt entzündet sich Kritik der Lehrerverbände. „Wir fordern ab sofort gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, sagte Stefan Behlau, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung. Lehrer flexibel auf die Schulformen zu verteilen, sei „die beste der schlechten Notlösungen. Es bleibt aber eine Notlösung.“ Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert eine einheitliche Besoldung an den verschiedenen Schulformen. „Wir müssen finanzielle Anreize schaffen“, sagte die Landesvorsitzende Dorothea Schäfer.

Auf Seiteneinsteiger könnten die Schulen nicht verzichten, fügte Schäfer hinzu. Das Angebot für Qualifizierungen zum Beispiel an der Grundschule reiche aber nicht. Der Verband Lehrer NRW, der vor allem die Realschulen vertritt, mahnte, Seiteneinsteiger müssten eine Ausnahme bleiben.

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