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Die CDU in NRW sucht einen neuen Chef: Laschet und Röttgen im Duell

Die CDU in NRW sucht einen neuen Chef : Laschet und Röttgen im Duell

Der erste Showdown findet an diesem Abend in der Stadthalle Hiltrup statt: Armin Laschet und Norbert Röttgen treten gegeneinander an und stellen sich der CDU-Basis vor. Als Preis winkt der politisch bedeutsame Landesvorsitz. Der Sieger besetzt einen der wichtigsten Posten, den die CDU zu vergeben hat. Das Rennen ist so knapp, dass Kleinigkeiten den Ausschlag geben können.

Auf der einen Seite steht Bundesumweltminister Norbert Röttgen (49). Manche politischen Beobachter glauben, dass er wegen seiner bundesweiten Prominenz an der Basis die Nase vorne haben dürfte. Auf der anderen Seite will sich der ehemalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet (45) behaupten, dem nachgesagt wird, bei vielen Parteifürsten in der Region Sympathien zu haben.

Auf insgesamt acht Regionalkonferenzen stellen sich zwei Bewerber den Fragen der Basis. Jeder Bezirk wird einzeln abgearbeitet. Der scheidende Landeschef Jürgen Rüttgers will die Veranstaltungen leiten. 160.000 Mitglieder der CDU sind eingeladen, sich ein Bild zu machen, wer sie denn nun in den kommenden Jahren führen soll. Im Laufe des Oktobers wird dann abgestimmt. Entweder per Brief oder am "Tag der CDU" am 31. Oktober an der Urne im jeweiligen Parteibüro des Kreisverbandes. Anschließen wird ausgezählt.

Die CDU lebt Basis-Demokratie

Endgültig entscheiden wird die Partei formal betrachtet zwar erst auf dem Landesparteitag am 6. November, doch die Mitgliederbefragung im Oktober gilt als Vorentscheidung. Beide Bewerber haben klar gemacht: Ohne das Vertrauen der Basis werden sie sich nicht zur Wahl stellen. Auch bei einer knappen Niederlage in der Mitgliederbefragung.

Nun also bestimmen nicht wie so oft die Parteigremien über die Köpfe an der Spitze, sondern die Basis. Wie sich derzeit die Sympathien verteilen, ist kaum auszumachen. Doch die Sache wird voraussichtlich knapp ausgehen. Wer es schafft, im direkten Austausch die Herzen der Basis zu gewinnen, dürfte am Ende die Nase vorne haben. Eine falsche Antwort, ein unbedachtes Wort oder eine hingeworfene Geste kann entscheidend sein. Rhetorisch sind beide hoch begabt, vermutlich wird also auf Kleinigkeiten ankommen.

Vorbehalte bei den Konservativen

Niemand vermag daher derzeit zu sagen, wie die Kampfabstimmung um die Macht in der Landes-CDU am Ende ausgehen wird. Beide Kandidaten haben ihre Stärken, beide haben ihre Schwächen und weisen dabei etliche Gemeinsamkeiten auf. Sowohl Laschet als auch Röttgen sind ehrgeizig, pflegen den Blick über den Tellerrand und gelten als Teil der modernen CDU, die nicht vor schwarz-grünen Denkmodellen zurückscheuen. Zusammen gehörten sie einst der legendären Bonner "Pizza-Connection" an, einem Kreis junger CDU- und Grünen-Politiker — und stoßen daher im ländlich-konservativen Milieu der CDU auf Vorbehalte.

Der Bundesumweltminister gilt als intellektuell brillant, oftmals ist er mit dem Etikett Vordenker versehen worden. Ein Talent für die Rede im Bierzelt ist er jedoch nicht. Manchem erscheint er als distanziert, kühl und auch ein wenig abgehoben. Bisher hat Röttgen seine Erfahrungen im Bereich Wirtschaft, Finanzen und Umwelt hervorgehoben, um sich als Mann mit mehreren Talenten zu empfehlen.

Präsenz ist gefragt

Seinem Herausforderer Armin Laschet könnte das zum Vorteil gereichen. Zudem kann er ein starkes kirchliches Engagement in die Waagschale werfen. Die Unterstützung von der Generalsekretär Andreas Krautscheid und Fraktionschef Karl-Josef Laumann hat er sowieso. Aber auch ihm schlagen nicht nur Sympathien entgegen. In seiner Zeit als Integrationsminister war er so manchem Parteimitglied suspekt, weil er seine Anliegen überwiegend offensiv und unter Dauernutzung der Medien vorbrachte.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied, der bei der Mitgliederbefragung den Ausschlag geben könnte: Röttgen hat kein Landtagsmandat. Laschet hat diesen Trumpf bereits zu spielen gewusst und sich in Interviews als tief in NRW verwurzelter Mensch gezeigt. Laschet wird in den Regionalkonferenzen betonen, dass der Herausforderer der Regierungschefin am Ort des Geschehens präsent sein muss. Ein Landeschef müsse den rot-grünen Gegner direkt im Düsseldorfer Landtag angreifen können.

Die Stelle des CDU-Kronprinzen ist noch frei

Röttgen hat das bereits eingeräumt — und versprochen, im Falle des Falles auch als Oppositionsführer in Düsseldorf bleiben zu wollen. Das soll seine Entschlossenheit unterstreichen, sich später ganz der NRW-Politik zuzuwenden, auch wenn er zunächst Bundesminister bleibt. Schließlich hätte Röttgen auch in diesem Falle an Einfluss gewonnen: Ein neuer Landesvorsitzender hat beste Karten Rüttgers als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU zu beerben.

Die NRW-CDU hatte bei der Landtagswahl mehr als zehn Prozentpunkte verloren. Sie büßte gegenüber der Wahl 2005 rund eine Million Wählerstimmen ein. Mit 34,6 Prozent war es das schlechteste Ergebnis der Christdemokraten bei einer NRW-Landtagswahl überhaupt. Schwarz-Gelb wurde damit nach nur fünf Jahren an der Macht abgewählt.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der politische Werdegang von Norbert Röttgen

(RP/ddp/RTR)