Bundespräsidentenwahl: Landtag wählt NRW-Delegierte

Bundespräsidentenwahl : Landtag wählt NRW-Delegierte

Nordrhein-Westfalen hat seine Wahlleute für die Bundesversammlung bestimmt. Zu den Delegierten zählen Prominente wie Alice Schwarzer und Sönke Wortmann aber auch Opfer von Rechtsterroristen. Bei der Wahl setzt die Politik Zeichen gegen Ausländerhetze.

Mit den Stimmen aller Fraktionen hat der nordrhein-westfälische Landtag am Dienstag 133 Mitglieder für die Bundesversammlung gewählt. Sie vertreten das Land am 18. März bei der Bundespräsidentenwahl in Berlin. Dort bewerben sich nach dem Rücktritt von Christian Wulff (CDU) der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck und die als Nazi-Jägerin bekannte Journalistin Beate Klarsfeld um das höchste Amt im Staat.

In der 1240 Mitglieder starken Bundesversammlung stellt Nordrhein-Westfalen als einwohnerstärkstes Bundesland gut jeden zehnten Wähler. Zu den prominentesten NRW-Delegierten zählen die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, Regisseur Sönke Wortmann und der Komödiant Ingo Appelt.

Mehrere Parteien setzten mit ihrer Auswahl gleichzeitig ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Integration. So darf auf Vorschlag der CDU Mevlüde Genc mitwählen. Sie verlor 1993 bei einem fremdenfeindlichen Brandanschlag in Solingen fünf Verwandte. Die Grünen entsenden mit Gamze Kubazik die Tochter eines 2006 von Neonazis ermordeten türkischstämmigen Kioskbetreibers aus Dortmund.

Die meisten Delegierten sind allerdings Parteifunktionäre. Die SPD entsendet unter anderem den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz. Die FDP geht bei der Bundespräsidentenwahl ganz auf Nummer sicher und nominierte ausschließlich Mitglieder der Landtagsfraktion. Nur die Linke stellte niemanden aus dem Parteiapparat auf, sondern ausschließlich Aktivisten aus sozialen Bewegungen.

Dank Losglück darf die NRW-SPD mit 50 Delegierten einen mehr entsenden als die NRW-CDU, obwohl beide Fraktionen im Landtag gleich viele Sitze haben. Die Grünen dürfen 17 Wahlleute nach Berlin schicken, die FDP 9, die Linke 8.

Zuvor hatte der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke, in einem WDR-Interview betont, die CDU stehe aus voller Überzeugung zu Gauck. "Wir wollen jetzt vor allem nach den Schwierigkeiten, die Christian Wulff dem Amt bereitet hat - die Christian Wulff damit auch der Politik bereitet hat - einen Konsens haben, einen Kandidaten haben, der von allen demokratischen Parteien getragen wird, der auch in der Bevölkerung einen großen Zuspruch findet", sagte Wittke. "Und das ist ganz sicher Joachim Gauck."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gauck zu Besuch in Hamminkeln

(lnw)
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