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Kritik am "frierenden Klassenzimmer" in NRW

Corona-Folgen : Kritik am „frierenden Klassenzimmer“

NRW setzt nach den Herbstferien in den Schulen auf eine Maskenpflicht im Unterricht und regelmäßiges Lüften. Aus Sicht von Eltern und der Opposition kann das geradewegs in einen zweiten Schul-Lockdown führen.

Die Kritik am Konzept für den Schulbetrieb nach den Herbstferien reißt nicht ab. Die Landeselternschaft der Gymnasien bezeichnete die Pläne des Schulministeriums zu Maskenpflicht im Unterricht und Stoßlüften als banal. „In anderen Bundesländern werden andere Konzepte diskutiert, darunter Schichtbetrieb und Samstagsunterricht“, sagt Franz-Josef Kahlen, Mitglied im Vorstand der Landeselternschaft der Gymnasien. „Auch wir werden in NRW hierüber sprechen müssen.“  Nach den massiven Wissenslücken aus dem vergangenen Schuljahr müssten zudem die Lernstände der Schüler verbessert werden: „Sonst wird nicht nur der aktuelle Abiturjahrgang effektiv zu einem G7 Jahrgang.“

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte tags zuvor verkündet, dass nach den Herbstferien an weiterführenden Schulen auch im Unterricht wieder Maskenpflicht gilt. Klassenzimmer müssten alle 20 Minuten und in den Pausen gründlich durchgelüftet werden, um die Viruskonzentration in der Luft niedrig zu halten. Für Räume, die nicht belüftet werden können, etwa wegen defekter Fenster, soll es Lüftungsgeräte mit Virenfiltern geben. Hierfür stellt die Landesregierung 50 Millionen Euro bereit.

SPD-Fraktionsvize Jochen Ott warf Gebauer vor, sie setze auf das „frierende Klassenzimmer“. Nur zu lüften und Decken zu verteilen sei kein Konzept. Hinzu komme, dass Brandschutzvorschriften es oft nicht erlaubten, die Flurtüren zu öffnen und querlüften kaum möglich sei. Bis die Luftfilter in den Klassenräumen und Sporthallen stünden, vergehe viel zu viel Zeit. Ott forderte daher, die Beschaffung der Geräte zentral über das Land zu organisieren, um den Antragsaufwand für die Kommunen in Grenzen zu halten. Es müsse dringend an Modellen zur Aufteilung der Klassen und dem Unterricht in Schichten gearbeitet werden. Falls es an Räumen mangele, könne etwa auch in benachbarten Jugendzentren, die häufig in der Nachmittagsbetreuung ohnehin mit Schulen zusammenarbeiteten, unterrichtet werden. Auch müssten Lösungen für den Schülertransport im öffentlichen Nahverkehr und in Bussen gefunden werden.„Wir brauchen dringend einen Plan B. Sonst kommt es bald wieder zu Schulschließungen“, so Ott.

Grünen-Co-Landeschef Felix Banaszak äußerte sich ähnlich und kritisierte ein zu spätes Handeln der Ministerin. „Besonders irritierend ist die zur Schau getragene Ignoranz gegenüber den Erkenntnissen und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“, so Banaszak.

(kib)