Kommentar: Strafen für Handy am Steuer müssen deutlich steigen

Kommentar zu Smartphone am Steuer : Bestraft die Handy-Sünder endlich härter!

Jeden Tag passieren Autounfälle, weil die Fahrer abgelenkt sind. Von Anrufen, Whatsapp, SMS oder Musikwünschen. Das ist zu gefährlich, als dass es nur 100 Euro kosten sollte.

Der nordrhein-westfälische Innenminister ist für seine öffentlichkeitswirksamen Hauruck-Aktionen bekannt. Ob gegen Clankriminalität, Islamisten oder, wie am Mittwoch, Handynutzer am Steuer – Herbert Reul widmet diesen Feldern gern ganze Aktionstage. Das kann man belächeln. Aber der CDU-Politiker trifft damit zielsicher die richtigen Themen und damit einen Nerv.

Das Handy ist der Alltagsbegleiter Nummer Eins. Es ist, das lässt sich jedenfalls von öffentlichen WCs berichten, auf Herrentoiletten dabei, es liegt neben dem Teller mit der Bohnensuppe – und leider auf der Ablage im Auto. Diese Handys sind verdammt mitteilungsbedürftig. Ständig suggerieren sie, es sei etwas Wichtiges geschehen. Dabei hat meist nur der MSV Duisburg verloren oder eine gute Freundin eine neue Serie auf Netflix entdeckt. Trotzdem blinkt, blitzt und piept das Handy. Also wird draufgeschaut.

Und das ist einfach irre gefährlich. Daran erinnern Schilder an Autobahnen, auf denen „Tipp, Tipp, Tod“ steht. Daran erinnern Autofahrer, deren Blick auf den Schoß gerichtet ist und die deswegen Schlangenlinien fahren. Von dem kurzen Blick auf das Display bis zum Unfall ist es nicht sehr weit. Das müsste eigentlich allen Verkehrsteilnehmern bekannt sein. Wenn man sich aber auf deutschen Straßen so umsieht, dann scheint es den allermeisten ziemlich egal zu sein.

Autofahrer telefonieren mit dem Handy in der Hand, tippen Nachrichten, durchsuchen Playlisten für gute Musik. Es ist richtig und wichtig, dass der Staat mit Schildern auf der Autobahn auf die Gefahr Handy am Steuer hinweist. Es ist richtig und wichtig, dass die NRW-Polizei einen Aktionstag dazu veranstaltet. Aber das genügt leider nicht.

Die Strafen für die Handynutzung müssen drastisch erhöht werden. Seit Ende 2017 müssen Sünder mit 100 Euro Strafe und einem Punkt in Flensburg rechnen. Das ist viel zu wenig. In Estland werden bis zu 400 Euro fällig, in den Niederlanden immerhin 230 Euro. Was spricht eigentlich dagegen, in Deutschland auf 500 Euro zu gehen? Wer das nicht bezahlen will, sollte das Handy einfach während der Fahrt ins Handschuhfach legen. Das ist günstiger – und schützt Menschenleben.

(her)
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