Kolumne "Hier in NRW": Flächenfraß stoppen

Kolumne „Hier in NRW“ : Flächenfraß stoppen

Das Land bebaut immer neue Gebiete. Dabei gibt es genug Industriebrachen.

Wenn NRW etwas im Überfluss hat, dann sind es Industriebrachen. Flächen, auf denen teils seit Jahrhunderten die Schwer- oder die Chemieindustrie produziert. Manche dieser Gebiete nutzen die Unternehmen nur deshalb weiter, weil der Boden so verseucht ist, dass eine Generalsanierung zu teuer wäre. Gleichzeitig aber fehlt in NRW mancherorts Platz für Gewerbeansiedlungen oder Wohngebiete.

Dieses Dilemma löst die schwarz-gelbe Landesregierung nun so: Sie verändert den Landesentwicklungsplan. Bisher dürfen in NRW jeden Tag maximal fünf Hektar Grünland, das entspricht etwa fünf Fußballfeldern, neu mit Gebäuden oder Straßen bebaut werden. Diese Höchstgrenze für die Flächenversiegelung soll künftig entfallen. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) zufolge erwies sich die Obergrenze als ungeeignetes Instrument. Er will vor allem in ländlichen Regionen wie dem Münsterland oder Ost-Westfalen Anreize für Neuansiedlungen zu schaffen.

Dass dieser vom Kabinett verabschiedete Plan bei den Grünen nicht auf Begeisterung stößt, überrascht nicht. Dass aber auch Bauernvertreter davor warnen, es mit der Bebauung neuer Flächen nicht zu übertreiben („auf Beton gibt es weder biologische Vielfalt noch wachsen darauf Lebensmittel“), sollte die Regierungsfraktionen ein wenig beunruhigen. Der Entwurf muss noch den Landtag passieren. Manch ein CDU-Abgeordneter aus den ländlichen Regionen wird sich fragen, wie er diese Änderung seinen Wählern daheim verkaufen soll. Bei der hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme kann sich Schwarz-Gelb keine Abweichler erlauben. Die Bauernvertreter plädieren übrigens dafür, wegen des fortschreitenden Landschaftsverbrauchs statt neuer Flächen doch besser die Industriebrachen zu nutzen. Recht haben sie.

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Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(kib)
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