Kolumne "Hier in NRW": Falsche Lorbeeren für Thyssenkrupp

Kolumne Hier in NRW : Falsche Lorbeeren

Landespolitiker loben Thyssenkrupp als Umweltpionier. Das ist viel zu viel der Ehre.

Vor ein paar Tagen hat der Landtag über Klimaschutz diskutiert. Die Debatte verlief kontrovers, aber vorhersehbar. Überraschend einig waren sich aber Landesregierung und Opposition in einem Punkt: Dass Thyssenkrupp im Umweltschutz geradezu sensationelle Pionierarbeit leiste. Dass es in Duisburg zu einer Weltpremiere gekommen sei, als der Ruhrkonzern vor wenigen Tagen Wasserstoff in einen Hochofen einblies. Ein Umwelt-Projekt, das die Landesregierung mit 1,6 Millionen Euro unterstützen will.

Natürlich ist es gut, dass Thyssenkrupp endlich in diese Technologie investiert. Und angesichts der schwachen Finanzlage des Unternehmens kann jeder Cent staatlichen Geldes da auch nur hilfreich sein. Den Konzern deshalb aber gleich als Vorreiter im Umweltschutz zu bezeichnen, ist dann doch verfehlt.

Die Idee, mithilfe von Wasserstoff statt Kokskohle Stahl herzustellen, ist seit Jahrzehnten bekannt. Gekümmert hat sich darum niemand - obwohl die deutsche Stahlindustrie noch heute sechs Prozent zum gesamten nationalen CO2-Ausstoß beiträgt, die Hochöfen in Duisburg 2,5 Prozent. Erst kurz nach der Jahrtausendwende erinnerten sich Stahlmanager daran, dass Wasserstoff eine Alternative zu Kokskohle sein könnte. Diese Stahlmanager arbeiteten aber nicht bei Thyssenkrupp, sondern bei ArcelorMittal, dem Weltmarktführer. Thyssenkrupps Manager hingegen verbrachten ihre Zeit lieber damit, höhere Preise für CO2-Zertifikate politisch zu verhindern. Jetzt wollen fast alle Stahlkonzerne Wasserstoff einsetzen.

Es stellt sich aber noch eine anderes Problem: In NRW es überhaupt noch nicht sinnvoll, Wasserstoff zu nutzen, weil der hier ja zum großen Teil aus Kohlestrom gewonnen wird. An diesem Punkt, da würde man gern mehr von der Landesregierung hören.

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