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Kolumne "Hier in NRW": Erzieher als Denunzianten.

Kolumne „Hier in NRW“ : Erzieher als Denunzianten

Kita-Mitarbeiter sollen nach Aussagen des Familienministers Joachim Stamp Familien melden, die sich nicht an die Quarantäne halten.

Während das Robert-Koch-Institut sich alarmieret zu den steigenden Infektionszahlen äußert und die Testzentren an den Flughäfen auf Hochtouren laufen, bereiten sich die Schulen und Kitas auf den Regelbetrieb vor. Da ist es verständlich, wenn Eltern befürchten, dass sich ihr Nachwuchs bei anderen Kindern anstecken könnte, deren Eltern es mit der Quarantäne oder der Testung nach dem Urlaub in einem Risikogebiet nicht so genau nehmen.

Familienminister Stamp hat dazu einen praktischen, wenn auch problematischen Vorschlag gemacht: „Dann gibt es den Hinweis ans Gesundheitsamt, und es müssen die entsprechenden Maßnahmen veranlasst werden“, sagte er jüngst vor Journalisten. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die sich nicht an die Spielregeln hielten, dafür sorgten, dass die frühkindliche Bildung infrage gestellt werde.

Die Erzieher stünden im Rahmen der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Regel in einem sehr guten Kontakt mit den Eltern der betreuten Kinder, sagte eine Sprecherin des Stamp-Ministeriums. Soweit das erforderlich ist, wirkten sie dabei auch auf die Einhaltung von Vorgaben hin. „Eine gesetzliche Grundlage für eine Meldung von Urlaubsrückkehrern an die örtliche Gesundheitsbehörde gibt es nicht. Im Interesse der Gesellschaft sollten behördlich angeordnete Maßnahmen zum Infektionsschutz eingehalten werden. Hier zählt die Selbstverantwortung jedes Einzelnen.“

Aber darf man erwarten, dass Kita-Beschäftigte als Denunzianten tätig werden? Wohl nicht. Das Schulministerium setzt auf einen Appell an die Vernunft. „Die Lehrerinnen und Lehrer kennen ihre Schülerinnen und Schüler sowie deren häusliches Umfeld in der Regel sehr gut. Sie wirken schon immer in Gesprächen auf die Einhaltung von Vorgaben hin“, hieß es aus dem Ministerium.

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