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Armin Laschet soll NRW-CDU-Krise beenden: "Können uns nicht in Depressionen ergehen"

Armin Laschet soll NRW-CDU-Krise beenden : "Können uns nicht in Depressionen ergehen"

Armin Laschet will die Nachfolge von Norbert Röttgen als Chef der nordrhein-westfälischen CDU antreten. Der Mann aus Aachen steht für eine Politik, mit der die Christdemokraten in den Großstädten punkten will. Er galt bereits im Kabinett von Jürgen Rüttgers als Kronprinz.

Dreieinhalb Stunden hat der Landesvorstand der CDU getagt, als Armin Laschet am Abend vor die Kameras tritt. Alemannia Aachen sei ja leider aus der Zweiten Bundesliga abgestiegen, sagt er, und könne frühestens nächstes Jahr dorthin zurückkehren. Laschet hofft, dass sich der Wiederaufstieg der NRW-CDU schneller vollzieht: "Wir können uns nicht monatelang in Depressionen ergehen."

Laschet ist fast am Ziel. Sein Plan, Nachfolger Norbert Röttgens als Chef der nordrhein-westfälischen CDU zu werden, steht kurz vor der Verwirklichung. Gestern signalisierte der Landesvorstand Zustimmung zur geplanten Doppelspitze — Parteichef Laschet, Fraktionschef Karl-Josef Laumann.

Trotz der zum Teil massiven Kritik der Parteibasis an der "schnellen Einigung im Hinterzimmer" überwiegt bei den Strategen in Düsseldorf Erleichterung, dass es nicht schon wieder zu einer Auseinandersetzung ums Personal kommt. Ein offener Machtkampf mit Laumann hätte viele Mitglieder zermürbt. "Wir müssen vermeiden, dass die alten Gräben wieder aufbrechen", sagt Jörg Geerlings, Vorsitzender des Stadtverbands Neuss.

Mit der geplanten Wahl Laschets zum Parteichef bekommt die Union die "Landeslösung", für die sich der gebürtige Aachener in eigener Sache schon vor zwei Jahren eingesetzt hatte. Im Wettstreit mit Bundesumweltminister Röttgen um die Nachfolge von Jürgen Rüttgers als Landeschef hatte Laschet immer wieder massive Zweifel daran geäußert, dass der größte Landesverband der CDU von Berlin aus "ferngesteuert" werden könne. Trotzig wiederholte Laschet auf den Regionalkonferenzen: Der Parteivorsitzende müsse in NRW präsent sein und dort den dauerhaften Schlagabtausch mit der rot-grünen Landesregierung suchen.

Die Mehrheit der Parteimitglieder, die sich damals zwischen Röttgen und Laschet entscheiden sollten, gab dem Bundesminister den Vorzug. Im Kampf um die Fraktionsführung war Laschet zuvor bereits Laumann unterlegen. Seither bestand ein latentes Spannungsverhältnis zwischen den beiden Männern — auf der einen Seite der burschikose Arbeitertyp Laumann (Spitzname "Blaumann"), auf der anderen der großstädtisch wirkende Denkertyp Laschet, der eindeutig der begabtere Rhetoriker ist.

Zeitweise schien es so, als zöge sich Laschet, der sich als Fraktionsgeschäftsführer und erster Fraktionsvize wohl nicht ausgelastet fühlte, in die innere Emigration zurück. Als Integrationsminister im Kabinett Rüttgers galt er als Kronprinz, der auch eine Koalition der CDU mit den Grünen hätte anführen können. Röttgen nahm den Zigarillo-Raucher als künftigen Innenminister in sein Schattenkabinett auf, doch Laschet machte sich über den Wahlausgang keine Illusionen. Der Wahlkampf des CDU-Landesvorsitzenden dürfte ihn an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.

Eine neuerliche Kampfabstimmung zwischen Laschet und Laumann schien nach der Wahl zunächst unausweichlich. Einflussreiche Parteifreunde und selbst die Bundeskanzlerin schalteten sich ein, um den Konflikt abzuwenden.

Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass Laschet als Parteichef Generalsekretär Oliver Wittke im Amt belässt. Wittke, Vertrauter Röttgens, wird intern mitverantwortlich gemacht für die Wahlniederlage. Möglich scheint auch, dass Laschet die Position nicht mehr besetzt. "So würde die finanzschwache NRW-CDU Kosten sparen", sagt ein Mitglied des Landesvorstands. Dienstwagen und Fahrer könne Laschet von Wittke übernehmen.

Noch vor dem für 30. Juni geplanten Sonderparteitag will Laschet alle 54 Kreisverbände besuchen und mit ihnen über die Neuaufstellung diskutieren. Schließlich soll es schnell gehen mit dem Wiederaufstieg.

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(RP/csi)