Klimaschutz durch Sumpfgebiete NRW will mehr Moor

Düsseldorf · Moore speichern viel Kohlendioxid. Trocknen sie aus, dann werden große Mengen des Treibhausgases wieder frei. NRW arbeitet an einem Konzept zum Moorschutz und hofft auf möglichst geringe Konflikte mit der Landwirtschaft. Was Naturschützer dazu sagen.

 Nasser Moorboden (Symbolbild): In ganz Deutschland sollen künftig Moore besser geschützt werden. NRW arbeitet an einem Konzept.

Nasser Moorboden (Symbolbild): In ganz Deutschland sollen künftig Moore besser geschützt werden. NRW arbeitet an einem Konzept.

Foto: dpa/Daniel Vogl

Im Kampf gegen den Klimawandel will die Bundesregierung den Schutz und die Wiederherstellung von Moorgebieten vorantreiben. Ebenso die Landesregierung von NRW: „An den Standorten, wo das möglich ist, wollen wir Moorschutz betreiben“, sagte Landesumweltminister Oliver Krischer (Grüne) noch im August bei einem Besuch der Moorflächen in der Ohligser Heide bei Solingen.

Etwa 2100 Hektar Moorlandschaft gebe es heute in Nordrhein-Westfalen, und das Landesumweltamt arbeitet an einem Schutzkonzept: „Bis zum Jahresende soll es fertig sein“, heißt es aus der Behörde. Das Bundeskabinett wiederum hat in dieser Woche eine nationale Moorschutz-Strategie für ganz Deutschland beschlossen. Ziel ist die „Wiedervernässung“ der Böden. Das ist relevant fürs Klima, weil Moore besonders viel CO2 speichern – mehr als beispielsweise Wälder.

Andersherum wird dieses seit Jahrhunderten gebundene CO2 nach und nach freigesetzt, wenn der Boden entwässert wurde. Das ist vielfach geschehen, um Flächen in Felder und Viehweiden zu verwandeln. Auch in NRW unterliege „ein nennenswerter – wenngleich derzeit nicht genau benennbarer – Anteil der Moorböden einer landwirtschaftlichen Nutzung“, heißt es aus dem Landesumweltministerium.

Trotzdem will NRW sich auf die Wiedervernässung von Moorbereichen innerhalb bereits bestehender Schutzzonen konzentrieren. „Lebendige und intakte Moore mit ihren ganz besonderen Wäldern, Böden und Gewässern haben eine große Bedeutung für die Artenvielfalt, für den natürlichen Klimaschutz und für einen Hochwasserschutz in der Fläche“, umriss Umweltminister Krischer.

Der Naturschutzbund (Nabu) in NRW begrüßt die politischen Signale aus Berlin und Düsseldorf grundsätzlich. „Gut, dass man an die Sache ranwill“, sagte Hermann Nagel, Fachmann für Moore bei der Organisation. „Aber in NRW gibt es fast keine Moorflächen mehr, die noch in Ordnung sind. Die einzige, die einigermaßen intakt ist, ist das Große Torfmoor im Kreis Minden-Lübbecke.“ Das Gebiet von rund 550 Hektar sei aufwändig renaturiert worden und jetzt streng geschützt. Solche Projekte dauerten Jahre und seien ausgesprochen teuer, so Nagel: „Ich bin im Moment sehr skeptisch, ob in der gegenwärtigen Situation das Geld dafür da sein wird.“

Auch die politische Opposition im Düsseldorfer Landtag stellt die Frage, welche Ziele beim Moorschutz realistisch sind. „Beispielhaft für die drohende Austrocknung der Moore steht das Zwillbrocker Venn im Kreis Borken“, schreibt die SPD in einer Anfrage, die sie an die Landesregierung gerichtet hat. „Bereits mehrere Jahre hintereinander sind Teile des Moors ganz oder teilweise trockengefallen.“ Grund seien trockene Sommer, womöglich aber auch geänderte Landnutzung oder Wassergewinnung. Das zeige, wie komplex die Renaturierung eines Moors sein könne. Und auch das Umweltministerium selbst betonte bereits: Die tatsächliche, praktische Wiederherstellbarkeit intakter Moorflächen sei „stark von den jeweiligen lokalen, aktuellen Gegebenheiten abhängig“.

Konflikte drohen zudem, wenn es stellenweise doch um die Zukunft heutiger Felder und Weiden gehen sollte. „Die Wiedervernässung von Mooren als Maßnahme zum Klimaschutz bedeutet für die dort vorhandenen landwirtschaftlichen Betriebe eine grundsätzliche, erhebliche Einschränkung bis hin zur Aufgabe der Bewirtschaftung“, sagte die NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) unserer Redaktion.

Allerdings sei die Hektarzahl landwirtschaftlich genutzter Moorflächen im Vergleich mit anderen Bundesländern wirklich klein, ordnet das Landwirtschaftsministerium zugleich ein. „Der Anteil der Moore an der Ackerfläche in Nordrhein-Westfalen liegt bei unter einem Prozent.“ Anders als beispielsweise in Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern.

Grundsätzlich sollen landwirtschaftliche Nutzungen auch auf wiedervernässten Flächen nicht ausgeschlossen sein. Diskutiert wird beispielsweise über den Anbau von Schilf, Röhricht oder Torfmoosen. Aber solche Nutzungen befänden sich erst in der Entwicklung. Sie seien bisher keine wirtschaftliche Alternative.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort