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Kita-Plätze: NRW Schlusslicht bei U3-Betreuung

Kita-Plätze : NRW Schlusslicht bei U3-Betreuung

Nur jedes vierte nordrhein-westfälische Kind unter drei Jahren wird in einer Kita betreut. Damit belegt das Land bundesweit den letzten Platz. Experten fordern den weiteren Ausbau der Plätze.

Am Stichtag 1. März 2016 wurden in Nordrhein-Westfalen 122.800 Kinder unter drei Jahren in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege betreut. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamts hervor. NRW weist eine U 3-Betreuungsquote von 25,7 Prozent auf und liegt damit bundesweit an letzter Stelle.

Zum Vergleich: Spitzenreiter Brandenburg kommt auf eine mehr als doppelt so hohe Quote von 57,2 Prozent; insgesamt besuchen in Deutschland 32,7 Prozent der unter Dreijährigen Einrichtungen der Kindertagesbetreuung. Auffallend ist ein starkes Ost-West-Gefälle: Während in Ostdeutschland mehr als jedes zweite U 3-Kind (51,8 Prozent) in einer Kindertagesstätte oder von Tagesmüttern und -vätern betreut wird, nehmen in Westdeutschland nur 28,1 Prozent der Eltern ein solches Angebot in Anspruch.

Betreuungsquote in Duisburg nur 17,6 Prozent

In NRW ist nach dieser Erhebung die Betreuungsquote in Duisburg mit 17,6 Prozent am niedrigsten, in Münster mit 35,1 Prozent am höchsten. "Wo die Wirtschaftskraft groß und die Arbeitslosigkeit niedrig ist, sind die Quoten auch höher. Arbeitende Eltern nehmen die Angebote der Kinderbetreuung eher in Anspruch und können sich diese auch leisten", sagte Barbara Nolte, Referatsleiterin im Verband Bildung und Erziehung NRW.

Die Stadt Duisburg teilte auf Anfrage mit, dass man aufgrund einer anderen Berechnungsmethode allerdings von einer eigenen Betreuungsquote von derzeit 32 Prozent ausgehe. Die Zahlen würden variieren, da das Statistische Bundesamt die tatsächlich betreuten Kinder als Grundlage seiner Berechnungen heranziehe, die Städte und Gemeinden in NRW allerdings die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze. Demnach gebe es derzeit knapp 4000 U 3-Betreuungsplätze in Duisburg; das Bundesamt geht von 2367 betreuten Kindern aus.

"Eine beispiellose Aufholjagd "

Diese Besonderheit kennt auch Barbara Nolte: "Die unterschiedlichen Berechnungsmethoden verzerren die Ergebnisse. Es gibt in manschen Städten genügend Plätze." Allerdings seien noch mehr Personal und auch ein weiterer Ausbau nötig, um den wachsenden Bedarf in Zukunft decken zu können. NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD) verwies darauf, dass das Land in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen habe, um das Angebot zu verbessern: "NRW hat beim Ausbau der U 3-Betreuung eine beispiellose Aufholjagd hingelegt. Der Zuwachs bei den betreuten Kindern seit 2013 beträgt insgesamt 40,8 Prozent." Der Ausbau gehe aber weiter, man plane in den kommenden drei Jahren zusätzliche Investitionen von 100 Millionen Euro in Ü 3-Plätze. Die seien nötig, um den seit 2013 geltenden Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder sicherzustellen.

Trotz des Rechtsanspruchs verzichten viele Eltern auf eine Klage. "In den kritischen Fällen haben Eltern und Stadt eine Lösung gefunden", sagte Marcel Preukschat vom Landeselternbeirat der Kindertageseinrichtungen. So würden viele Kinder in privaten Kitas unterkommen. Die Zusatzkosten trägt hier die Kommune. Allerdings decke das Angebot noch nicht den Bedarf.

(RP)