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Gesunde Ernährung: "Kita-Essen darf nicht teurer werden"

Gesunde Ernährung : "Kita-Essen darf nicht teurer werden"

Laut Bertelsmann-Studie müsste das Essensgeld in Kitas auf vier Euro pro Mahlzeit aufgestockt werden, um ausgewogen zu kochen. Dem widersprechen Kitas, in denen das mit dem gesunden Essen bestens funktioniert - mit weniger Geld.

Annette Bergstermann muss beinahe jeden Cent zweimal umdrehen, den sie monatlich für das Essen der 105 Kinder in der städtischen Kita In den Haesen in Duisburg zur Verfügung stehen hat. Je nach Einkommen der Eltern kann sie 50 bis 60 Euro pro Kind für frische Zutaten wie Obst, Gemüse und Fisch ausgeben, hinzu kommen sechs bis acht Euro, die fürs Frühstück und einen Zwischenimbiss eingesammelt werden. "Wir müssen sehr haushalten, damit wir den Kindern täglich gesunde und abwechslungsreiche Kost bieten können." Trotzdem ist sie dagegen, dass das Budget fürs Essen aufgestockt wird. "Das Kita-Essen darf nicht teurer werden." Denn dann, sagt sie, könnten sich viele Eltern die Verpflegung für ihre Kinder nicht mehr leisten.

Damit widerspricht die Kita-Leiterin der jüngsten Bertelsmann-Studie, die besagt, dass das Essensgeld in deutschen Kitas von durchschnittlich 2,40 Euro pro Mahlzeit auf rund vier Euro aufgestockt werden müsse, damit die Kinder ausgewogen ernährt werden können. Nur knapp ein Drittel der Kindertageseinrichtungen bereiten alle Speisen selbst zu. Einige lassen sich von externen Caterern beliefern. Je nach Bundesland gibt es große Unterschiede. Eltern in NRW geben laut Verbraucherzentrale im Schnitt 47,52 Euro pro Monat für das Kita-Essen ihrer Kinder aus.

In der Duisburger Kita sind es rund drei Euro pro Tag, die fürs Essen zur Verfügung stehen, in der Kita "Die Zaunkönige" in Düsseldorf-Pempelfort sind es 3,50 Euro. Das scheint auszureichen. Denn den Kindern fehlt es nicht an gesunder Nahrung. In Düsseldorf kocht Carsten Hellmann jeden Tag frisch - und die Kinder helfen in der Küche fleißig mit. Sie schneiden, bekleidet mit Schürze und Kochmütze, Äpfel, Birnen, Bananen und schälen Kartoffeln und Möhren. "Das ist puppi-leicht", sagt die fünfjährige Ella, die mit Hilfe des Kochs und einem Sparschäler die Karotten in Windeseile schält. Zwischendurch wird heimlich ein Stückchen genascht - "weil es so lecker ist".

Wert gelegt wird in beiden Kitas auf regionale und saisonale Produkte - gerne darf es bio sein. In Duisburg ernten die Kinder das Gemüse im selbst angelegten Garten. Schälchen mit Obst stehen in beiden Einrichtungen den ganzen Tag über auf den Tischen. Fleisch gibt es nur einmal in der Woche. Butterbrote von zu Hause dürfen nicht mitgebracht werden. Was in der Kita auf den Tisch kommt, soll für alle Kinder gleich sein. Das scheint den Kindern zu gefallen. Denn sie essen gerne Obst. "Ich mag am liebsten Äpfel- und Bananenstückchen", sagt der dreijährige Miran.

Es gibt nur wenige Obstsorten, die den Kindern auf Anhieb nicht schmecken, dazu zählen etwa Kiwis, sagt Annette Bergstermann. In diesen Fällen helfen die Erzieherinnen mit einem Trick nach: Sie pürieren das Obst und machen daraus Saft. "Das schmeckt den Kindern, und sie mögen dann auch das Obst." Ansonsten hat der Nachwuchs bereits den Durchblick: Was eine Papaya ist, wie Zucchini schmeckt und wie man Rote Bete zubereitet, ist für sie kein Geheimnis, so Hellmann.

Melanie Beine, Leiterin der Kita "Die Zaunkönige", nimmt nicht an, dass eine Erhöhung des Essensgeldes automatisch bedeutet, dass gesünder gekocht wird. Vielmehr glaubt sie, dass es Fortbildungsbedarf zum Thema "Gestaltung der Essenspläne" gibt. Vieles sei möglich - auch bei nicht optimalen Bedingungen. "Da sich die Betreuungszeiten der Kinder verändert haben, haben die Kitas eine andere Verantwortung. Die Essenszeiten liegen in der Kita, daher ist das Thema bei den Eltern ein großes Anliegen."

(RP)